Samstag, 19. Dezember 2015

Editorial 114

Liebe Freundinnen und Freunde,

es ist doch zwingend, dass sich das Junge vom Alte absondert, bestenfalls neue, mindestens andere Wege wählt. Was haben wir Altvorderen der Fairplay vor 20, 25 Jahren von der Altherrenriege in der Jury gehalten? Natürlich hat sich das selbst dann nicht geändert, als ein Fairplayer als important person in die Jury berufen wurde. Wer uns schon lange liest, weiß um unsere ganz besondere Sichtweise auf die damalige Jury. Wenn die Aufnahme eines Fairplayers damals zur Ruhigstellung gedacht war, so ist der Plan kein Stück aufgegangen. Wir haben sie weiterhin belächelt, ob ihrer freundlichen Rezensionen und ihrer selbst erkorenen kulturellen Verantwortlichkeit. Uns ging deren Auswahl der prämierten Spiele oft gegen den Strich. Wir waren Szene und die nur Mainstream.

Wir spielten und mochten Spiele jenseits des Massenmarkts, die Spiele der Nischenverlage, komplexer und anspruchsvoller als nominierte oder prämierte Spiele. Wir waren der Jury um sieben Meilen voraus und blickten rechtschaffen auf sie herab. Wir hatten den dicken Hammer und setzten ihn auch ein. Zumindest warfen wir zeitweilig schön regelmäßig mit Steinen. Heute eher selten, denn die Herren in der Jury sind teils tatsächlich jünger als wir.

Und jetzt?! Mal abgesehen von meiner Erkenntnis, heute selbst zu den Alten zu gehören, spüre ich bei den nachkommenden Rezensenten intensive Leidenschaft, besonders natürlich bei den Youtubern. Da wird Neuheit um Neuheit in die Kamera gehalten, oft nur mit der News „kommt bald, ist toll, bin schon sehr gespannt.“ Bei den Neuen ist so viel flammende Begeisterung, dass der erforderliche Abstand für echte Kritik mir nicht erkennbar ist. Oder bin ich nur als langjähriger Spielekenner bereits zu abgewichst und habe meine Leidenschaft fürs Spielen verloren? Abgewichst mit Sicherheit, denn zu viele belanglose Spiele haben meinen Weg gekreuzt, aber die Leidenschaft fürs Spielen ist mir nie dabei abhandengekommen. Wie auch, wenn ich mich sogar mit Graupen beschäftige.

Auch wenn es kaum mehr handwerklich wirklich schlechte Spiele gibt, manchmal muss der Hammer doch noch raus. Spiele ohne eigenen Charakter, ohne Emotionen, sind die schlechten Spiele von heute. Ich hoffe, auch die Youtuber kommen irgendwann von ihrer ungebremsten Leidenschaft herunter, werden wirklich zu ernstzunehmenden Kritikern. Manch einer hat das geschafft. Und wer in der Jury sitzt, darf ja auch kein Geld – weder von Youtube noch von Verlagen - annehmen. Gibt aber genügend andere, die so gut wie jedes Spiel toll, super, klasse finden oder völlig distanzlos den Verlagen Werbung in eigener Sache erlauben. Wo ist denn da bitte die redaktionelle Arbeit, wo wird da kritisch berichtet? Und wo ist da der Mehrwert für mich, wenn mir unreflektiert Spiel um Spiel präsentiert wird, als wäre das ein bleiwüstiger Messebericht nur in Bildern? Diese distanzlosen Filmchen gehen mir allerdings zunehmend auf den Senkel. So wie wahrscheinlich damals der Altherrenriege um Thole und Werneck unsere regelmäßigen Breitseiten auf den Wecker gingen.

Wo führt also der Weg hin? Schaffen es wie einige Youtube-Stars auch die Youtuber in der Spieleszene Einkommen mit ihren Videos zu generieren? Wohl wissend, dass sie nur ein Nischenthema beackern, denn die Unterschiede in der Abonnentenzahl zu anderen Branchen sprechen da Bände. Die Zuschauer zahlen dafür ja nix, wer bezahlt die dann? Gibt ja nur aus zwei Ecken Geld: Werbeerlöse von Youtube und Verlage, deren Spiele präsentiert werden. Gibt ja auch noch eine dritte, saubere Art der Bezahlung. Sie sammeln Spenden für ihre Arbeit ein, was legitim ist. Natürlich gibt’s dafür im Netz Plattformen wie Patreon, über die Geld für deren Projekte einsammelt wird. Ist ja Ihrem Abonnement nicht unähnlich.

Mir scheint allerdings, dass es bei Spiele-Bloggern und Youtubern eher darum geht, Geld zu machen, als wirklich redaktionell zu arbeiten. Scheint auch wirklich toleriert, sogar bejubelt zu werden. Wie glaubhaft ist das aber? Ist das der richtige Weg, um sich als nachkommende Generation von uns Alten abzusetzen? Gut, sie könnten uns vorhalten, dass auch wir von kostenlosen Rezensionsexemplaren korrumpiert sind. Tja, dann haben die unser Heft wohl nie wirklich gelesen.

In diesem Sinne,

Ihr Harry

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Fairplay 114 - Januar bis März 2016

Der Inhalt:

Essen 2015
  • Deutscher Spielepreis
  • Messebericht
  • Scoutkommentar
  • Fairplay Scoutnoten 2015
  • À la Carte 2015
Kritiken
  • Gipfelstürmer
  • Mombasa
  • Grand Austria Hotel
  • Agent Undercover
  • Codenames
  • Das Konzil der Vier
  • Gum Gum Machine
  • Super Motherload
  • Kraftwagen
  • Mysterium
  • T.I.M.E Stories
  • King of New York
  • Cornwall
  • Skyliners
  • Mafia de Cuba
Interviews und Portraits
  • Ralf zur Linde und Stefan Dorra über Gum Gum Machine
  • Sebastian Rapp über T.I.M.E Stories
  • Guido Hoffmann und Jens-Peter Schliemann über das Geheimnis der Zauberer
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Nachschlag: Zug um Zug: United Kingdom & Pennsylvania, Machi Koro Großstadt-Erweiterung
  • Rückblick: Fairplay 35
  • Solitaire und mehr: Hostage Negotiator
  • Jeux de Deux: Wakanda
  • à la carte: 3 sind eine zu viel!, CARDArt, Die Fiesen 7, Bola, 
  • Preisrätsel: Es sind Zwillinge!
  • Fast Food: New York 1901, Discoveries
  • Wir spielen gern ...
  • Kinderportion: Captain Black, Das Geheimnis der Zauberer
  • Bestenliste
  • Noten

Dienstag, 13. Oktober 2015

Fairplay Scoutvoting 2015 - Endwertung

Endergebnis Sonntag 14:00 Uhr:


  • La Granja - pd-Verlag - 1,9
  • Mombasa - eggertspiele/Pegasus - 2,0
  • Nippon - What's your game - 2,0
  • Signorie - What's your game - 2,0
  • 7 Wonders Duell - Repos - 2,1
  • Council of four - Cranio Creations/Heidelberger - 2,1
  • Grand Austria Hotel - Lookout - 2,1
  • Codenames - Czech Games Edition/Heidelberger - 2,2
  • Isle of Skye - Lookout - 2,2
  • Mysterium - Libellud - 2,2
  • Shakespeare - Ystari Games - 2,2
  • Discoveries - Ludonaute/Asmodee - 2,3
  • My Village - eggertspiele/Pegasus - 2,3
  • Celestia - Blackrock Editions/Heidelberger - 2,4

Nicht genügend Stimmen, aber gute Noten:

  • Bretagne - Placentia
  • Alte Dunkle Dinge - Feuerland Spiele
  • Between Two Cities - Stonemaier Games
  • Die blutige Herberge - Pearl Games
  • Die Legenden von Andor: Chada & Thorn - Kosmos
  • Haspelknecht - Quined Games
  • Octodice - Pegasus Spiele
  • Pandemie Die Heilung - ZMAN
  • Qwinto - NSV
  • The Prodigals Club - Czech Games Edition
  • Tides of Time - Pegasus Spiele
  • Time Stories - Space Cowboys/Asmodee

Zwischenstände:

Samstag 18:30
Samstag 15:30
Samstag 13:30
Samstag 10:30
Freitag 18:30
Freitag 15:30
Freitag 1. Auswertung

Freitag, 9. Oktober 2015

Aktuelle Scoutergebnisse von der Spiel '15

Hier der direkte Blick auf die Tweets mit den aktuellen Scoutergebnissen:

Donnerstag, 8. Oktober 2015

À la Carte Preis 2015: Machi Koro

Unsere Wahlfrauen und -männer haben entschieden:

Den Titel À la Carte 2015 gewinnt MACHI KORO.

Bereits 2013 war dieses ursprünglich japanische Spiel auf den Internationalen Spieltagen in sehr kleiner Auflage erhältlich. Im vergangenen Jahr hat der Kosmos-Verlag die deutsche Ausgabe veröffentlicht. Wir gratulieren Masao Suganuma und dem Kosmos-Verlag!

Doch auch die anderen Spiele in den Top Ten unseres Kartenspielpreises zeigen, dass 2015 erneut - nach dem starken Jahrgang 2014 - eine bunte und abwechslungsreiche Mischung an guten Kartenspielen bietet.

Hier die Platzierungen:
  1. Masao Suganuma: MACHI KORO von Kosmos
  2. Steffen Benndorf: THE GAME von NSV
  3. Stefan Kloß: BEASTY BAR von Zoch
  4. Hisashi Hayashi: AUF NACH INDIEN von Pegasus
  5. Dominic Crapuchettes, Dmitry Knorre, Sergey Machin: EVOLUTION von Schmidt Spiele
  6. Thomas Jansen, Patrick Zuidhof, Ronald Hoekstra: UGO! von Kosmos
  7. Jacques Zeimet: BAD BUNNIES von Schmidt Spiele
  8. Donald X. Vaccarino: GREED von Queen Games
  9. Gerhard Hecht: JÄGER + SPÄHER von Kosmos
  10. Ralf zur Linde: STICHLING von Ravensburger
Wir gratulieren allen platzierten Autoren und Verlagen und wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, viel Spaß beim Spielen!

Takerube Nobuaki, Wolfgang Lüdtke, Wolfgang Friebe (v.r.n.l.)