Freitag, 1. April 2016

Fairplay geht auf Youtube

Fairplay macht Videos, aber noch nicht jetzt. Meine Knechte finden doch immer Gründe, warum es nicht geht: Keine Kamera, kein Studio mit vernünftigem Licht, kein Konzept und überhaupt! Es gäbe doch schon so viele andere Profis. Erst soll ich für die Ausrüstung sorgen, dann, ja dann, wären die Knechte bereit, vor die Kamera zu treten.

Also das mit dem Studio ist doch kein Problem. In meinem Stall ist es immer hell, besonders hell natürlich draußen auf der Weide.

Nur die Kamera?! Nur das beste Modell wollen sie haben, mindestens eine JVC GY-HM200E. Das fordern die, echt!? Wie soll ich armes Pferd denn 2500 € auftreiben? Jeder, der auf mich Rennesel wettet, ist doch verloren. Bei meiner Außenseiterquote!

Was soll ich nur machen? Meine Knechten sollen endlich Youtuber werden. Da kann ja nicht so old fashioned weitergehen!

Wir haben doch so an die 3677 Rezensionen aus 115 Heften auf Vorrat. Die lassen sich doch verwerten. Genau – bei Amazon!

So, ihr lieben Knechte: Ab sofort wird täglich unter meinem Namen für die nächsten 10 Jahre eine Rezension bei Amazon eingestellt. Das hat zwei Vorteile:

Ich habe endlich die Übersicht, welche Spiele wir schon bewertet haben. Bei so vielen Spielen weiß ich doch gar nicht mehr, was wer über welches Spiel geschrieben hat.

Und Amazon macht mich dann bestimmt zum Vine-Rezensenten. Dann kann ich mir endlich kostenlos eine Kamera und entsprechendes Equipment auswählen. Logisch schreibe ich darüber eine Rezi. Da bin ich Profi, da kenne ich mich aus.

Montag, 21. März 2016

Editorial 115

Liebe Freundinnen und Freunde,

Herzlich Willkommen zur Neuausgabe von „Wie ich die Welt sehe.“ Klar, ich habe meine ganz persönliche Brille auf, eines aber ist deutlich zu erkennen: Unsere heile Spielewelt hat sich stark verändert. Sie ist schließlich längst groß, vielfältiger, aber auch ein wenig rau geworden. Unsere Spielewelt hat sich Jahr um Jahr weiter über den Globus ausgedehnt, was gewisse Veränderung bewirkt. Aus aller Herren Länder kommen neue Spiele, neue Verlage und neue Mitspieler. Und alle haben so ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Spielen, ihren eigenen Blick auf Spiele und Spieler.

Was ja per se ziemlich gut ist. Manches Spiel ist immer noch Mainstream, andere nur für bestimmte Zielgruppen gemacht. Auf jeden Fall gilt: Für jeden ist etwas dabei. Was ist es für Sie? Welche Art Spiele bevorzugen Sie? Nicht, dass ich darauf jetzt eine Antwort erwarte, denn Geschmack ändert sich, so wie die Umstände ändern: Zeit, Spielekreise, Familienstand … noch mehr!? Davon hängt ab, ob man Cosims, Strategiespiele … oder eher die einfachen Spiele bevorzugt, sich über oder auf dem Level der grauen, roten oder blauen Auszeichnungen der Jury bewegt. Die Jury ist da wirklich ein guter Maßstab für den eigenen Standort, wo man sich selbst in der Szene sieht.

Natürlich berücksichtigen wir diese unterschiedlichen Geschmäcker in der Fairplay, bewegen uns mit unserem Magazin schon immer auf oder oberhalb des Niveaus der Jury. Aber seien wir ehrlich, bestimmte Arten von Spielen kommen auch bei uns nie oder nur sehr selten vor. Cosims sind schon seit jeher – jedenfalls bei uns in „Merry old Germany“ – eher das Lieblingskind einer sehr speziellen Spielergattung. Manchmal schreibt jemand unserer Mitarbeiter darüber, wenn es dessen Umstände zulassen. Die Redaktion hält sich dann gerne zurück. Ich würde sowas ja auch spielen, aber Cosims sind eher „einmalige“ Spiele. Wie SCHACH oder GO oder DOPPELKOPF … die nur intensiv spielt, wer dafür feste Mitspieler hat und sonst auf nix anderes Lust verspürt. Das ist dann doch nix für mich.
Meine Knechte und ich sind da eher wie Reisende, die hier und dort möglichst gut spielen wollen. Wir reisen umher, sind deshalb irgendwie auch unstet. Selten, dass wir länger bei einem Spiel verweilen. Zu reizvoll ist das Neue, was von überall her auf uns hereinströmt. Wie von einem guten Reiseführer erwarte ich auch von den Tipps guter Freunde lohnende Hinweise, was in der Spielewelt an interessanten Sachen geboten werden. Wohin geht die Reise, was ist dort toll? Wir erkunden natürlich oft auf eigene Faust die Spielewelt, mitunter erleiden wir sogar Schiffbruch. Unsere Erfahrungen und Tipps teilen wir gerne mit Ihnen.

Ich bin tatsächlich immer noch skeptisch, was Bewertungen aus Online-Portalen angeht. Was weiß denn ich, wer da aus welcher Motivation was zeigt oder schreibt. Vine-Rezensionen bei amazon oder Product Placement auf youtube fördern nicht gerade die Glaubwürdigkeit des Netzes. Oder muss man das nur zu nehmen wissen?

Ach ja: Raue Spielwelt. Im Netz geht es ja des Öfteren recht unangenehm zu, weil die Diskussionen mitunter hart und sehr persönlich geführt werden. Irgendwo steht immer einer auf, dem dies oder das so nicht passt. Dann gilt nur, was zu der eigenen Peergroup passt oder eigene Befindlichkeiten nicht tangiert. Leider ist der Maßstab im Netz oft verschoben. Man sollte schon mal hinterfragen, wo man steht und welchen Anspruch man hat. Und ob der Blick nicht doch durch die eigene Brille verengt wird. Deshalb sollte man sich auch nicht gleich jeden Schuh anziehen, der einem offensichtlich oder nur vermeintlich passt. Womöglich denkt dann doch wer, dass er passgenau sitzt.

Und noch was fällt auf: Die Szene untergliedert sich immer mehr. Für jede Zielgruppe gibt’s irgendwo einen Kristallisationspunkt. Wenn man weiß wo, findet man seine ganz eigene Heimat unter Gleichgesinnten. Oder weiß zumindest, wo man ganz gewiss nicht hingehört. Im Netz wird schließlich stark gesiebt. Ob das gut ist? Nur sollte man nicht glauben, dass es außerhalb des eigenen Dunstkreises nicht auch schätzenswerte Meinungen gibt. Ein bisschen Toleranz täte uns allen ganz gut. Und auch ein gemeinsamer Kristallisationspunkt wäre toll. Für die englischsprachige Welt gibt’s das ja bereits. Auf boardgamegeek ist der Umgang bei allen Abstrichen eher verbindend als kleinstaaterisch deutsch.

In diesem Sinne

Ihr Harry

Dienstag, 15. März 2016

Fairplay 115 - April bis Juli

Der Inhalt:

Reportagen

  • Nürnberg 2016
  • Haba im Fokus, Teil 1: Spookies, Karuba, Abenteuerland
Kritiken
  • Willkommen im Dungeon
  • Celestia
  • Steam Time
  • Vergleich: Die Piraten der 7 Weltmeere und Rattle
  • Battle, Grab the Loot
  • Schatzjäger
  • Alte Dunkle Dinge
  • Shakespeare
  • Domus Domini
  • Lignum
  • Galaxy Defenders
  • Nippon
  • Legends

Interviews
  • Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko über Piraten der 7 Weltmeere, Rattle, Battle, Grab the Loot
  • Moritz Brunnhofer über Carcassonne - Über Stock und Stein
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Leserbrief
  • Nachschlag: Carcassonne - Über Stock und Stein
  • Rückblick: Fairplay 36
  • Jeux de Deux: Starfighter
  • Kinderportion: myFibo, Stone Age Junior, Rumms!, Nitro Glyxerol
  • à la carte: Sarkophag, Dao, Teamplay, Life is Life, Sirenen in Sicht
  • ausSCHACHtungen: For the Crown
  • Preisrätsel: Japanische Zahlenmauern
  • Wir spielen gern ...
  • Bestenliste
  • Noten

Samstag, 19. Dezember 2015

Editorial 114

Liebe Freundinnen und Freunde,

es ist doch zwingend, dass sich das Junge vom Alte absondert, bestenfalls neue, mindestens andere Wege wählt. Was haben wir Altvorderen der Fairplay vor 20, 25 Jahren von der Altherrenriege in der Jury gehalten? Natürlich hat sich das selbst dann nicht geändert, als ein Fairplayer als important person in die Jury berufen wurde. Wer uns schon lange liest, weiß um unsere ganz besondere Sichtweise auf die damalige Jury. Wenn die Aufnahme eines Fairplayers damals zur Ruhigstellung gedacht war, so ist der Plan kein Stück aufgegangen. Wir haben sie weiterhin belächelt, ob ihrer freundlichen Rezensionen und ihrer selbst erkorenen kulturellen Verantwortlichkeit. Uns ging deren Auswahl der prämierten Spiele oft gegen den Strich. Wir waren Szene und die nur Mainstream.

Wir spielten und mochten Spiele jenseits des Massenmarkts, die Spiele der Nischenverlage, komplexer und anspruchsvoller als nominierte oder prämierte Spiele. Wir waren der Jury um sieben Meilen voraus und blickten rechtschaffen auf sie herab. Wir hatten den dicken Hammer und setzten ihn auch ein. Zumindest warfen wir zeitweilig schön regelmäßig mit Steinen. Heute eher selten, denn die Herren in der Jury sind teils tatsächlich jünger als wir.

Und jetzt?! Mal abgesehen von meiner Erkenntnis, heute selbst zu den Alten zu gehören, spüre ich bei den nachkommenden Rezensenten intensive Leidenschaft, besonders natürlich bei den Youtubern. Da wird Neuheit um Neuheit in die Kamera gehalten, oft nur mit der News „kommt bald, ist toll, bin schon sehr gespannt.“ Bei den Neuen ist so viel flammende Begeisterung, dass der erforderliche Abstand für echte Kritik mir nicht erkennbar ist. Oder bin ich nur als langjähriger Spielekenner bereits zu abgewichst und habe meine Leidenschaft fürs Spielen verloren? Abgewichst mit Sicherheit, denn zu viele belanglose Spiele haben meinen Weg gekreuzt, aber die Leidenschaft fürs Spielen ist mir nie dabei abhandengekommen. Wie auch, wenn ich mich sogar mit Graupen beschäftige.

Auch wenn es kaum mehr handwerklich wirklich schlechte Spiele gibt, manchmal muss der Hammer doch noch raus. Spiele ohne eigenen Charakter, ohne Emotionen, sind die schlechten Spiele von heute. Ich hoffe, auch die Youtuber kommen irgendwann von ihrer ungebremsten Leidenschaft herunter, werden wirklich zu ernstzunehmenden Kritikern. Manch einer hat das geschafft. Und wer in der Jury sitzt, darf ja auch kein Geld – weder von Youtube noch von Verlagen - annehmen. Gibt aber genügend andere, die so gut wie jedes Spiel toll, super, klasse finden oder völlig distanzlos den Verlagen Werbung in eigener Sache erlauben. Wo ist denn da bitte die redaktionelle Arbeit, wo wird da kritisch berichtet? Und wo ist da der Mehrwert für mich, wenn mir unreflektiert Spiel um Spiel präsentiert wird, als wäre das ein bleiwüstiger Messebericht nur in Bildern? Diese distanzlosen Filmchen gehen mir allerdings zunehmend auf den Senkel. So wie wahrscheinlich damals der Altherrenriege um Thole und Werneck unsere regelmäßigen Breitseiten auf den Wecker gingen.

Wo führt also der Weg hin? Schaffen es wie einige Youtube-Stars auch die Youtuber in der Spieleszene Einkommen mit ihren Videos zu generieren? Wohl wissend, dass sie nur ein Nischenthema beackern, denn die Unterschiede in der Abonnentenzahl zu anderen Branchen sprechen da Bände. Die Zuschauer zahlen dafür ja nix, wer bezahlt die dann? Gibt ja nur aus zwei Ecken Geld: Werbeerlöse von Youtube und Verlage, deren Spiele präsentiert werden. Gibt ja auch noch eine dritte, saubere Art der Bezahlung. Sie sammeln Spenden für ihre Arbeit ein, was legitim ist. Natürlich gibt’s dafür im Netz Plattformen wie Patreon, über die Geld für deren Projekte einsammelt wird. Ist ja Ihrem Abonnement nicht unähnlich.

Mir scheint allerdings, dass es bei Spiele-Bloggern und Youtubern eher darum geht, Geld zu machen, als wirklich redaktionell zu arbeiten. Scheint auch wirklich toleriert, sogar bejubelt zu werden. Wie glaubhaft ist das aber? Ist das der richtige Weg, um sich als nachkommende Generation von uns Alten abzusetzen? Gut, sie könnten uns vorhalten, dass auch wir von kostenlosen Rezensionsexemplaren korrumpiert sind. Tja, dann haben die unser Heft wohl nie wirklich gelesen.

In diesem Sinne,

Ihr Harry

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Fairplay 114 - Januar bis März 2016

Der Inhalt:

Essen 2015
  • Deutscher Spielepreis
  • Messebericht
  • Scoutkommentar
  • Fairplay Scoutnoten 2015
  • À la Carte 2015
Kritiken
  • Gipfelstürmer
  • Mombasa
  • Grand Austria Hotel
  • Agent Undercover
  • Codenames
  • Das Konzil der Vier
  • Gum Gum Machine
  • Super Motherload
  • Kraftwagen
  • Mysterium
  • T.I.M.E Stories
  • King of New York
  • Cornwall
  • Skyliners
  • Mafia de Cuba
Interviews und Portraits
  • Ralf zur Linde und Stefan Dorra über Gum Gum Machine
  • Sebastian Rapp über T.I.M.E Stories
  • Guido Hoffmann und Jens-Peter Schliemann über das Geheimnis der Zauberer
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Nachschlag: Zug um Zug: United Kingdom & Pennsylvania, Machi Koro Großstadt-Erweiterung
  • Rückblick: Fairplay 35
  • Solitaire und mehr: Hostage Negotiator
  • Jeux de Deux: Wakanda
  • à la carte: 3 sind eine zu viel!, CARDArt, Die Fiesen 7, Bola, 
  • Preisrätsel: Es sind Zwillinge!
  • Fast Food: New York 1901, Discoveries
  • Wir spielen gern ...
  • Kinderportion: Captain Black, Das Geheimnis der Zauberer
  • Bestenliste
  • Noten