Mittwoch, 26. Oktober 2016

Unser Chef ist tot

Nicht, dass Herbert es jemals groß heraushängen ließ, aber für uns Fairplayer war er unser Chef. Er war es einfach. Noch in jeder Redaktionsdiskussion sorgte Herbert für Ausgleich, inhaltlich und menschlich. Jeder kam zu seinem Recht, jede Position wurde erwogen und für alle das Beste erreicht. Mit seiner Menschlichkeit und seinem spielerischen Sachverstand stand Herbert immer auf festem Grund, selbst an spielerischen Abgründen. Mit ihm zusammen umschifften wir so manche Klippe.

Souverän trennte Herbert die Spreu vom Weizen. Nur gute Spiele verdienen eine positive Rezension. Schlechte Spiele verdienen es ebenso, mit klaren Worten und guten Gründen sorgfältig zerlegt zu werden. Herbert konnte diese Art Rezensionen schreiben wie kein Zweiter. Auch kleine, feine Hammer haben an den richtigen Stellen ordentlich Kraft. Und wenn es ein grober Hammer sein musste, dann hat er auch grob gearbeitet, nicht ohne ironisches Augenzwinkern.

Ich würde Herbert als undogmatischen Spieler bezeichnen, der mit jeder Art religiöser Verehrung von Spielen nichts anfangen konnte. Spiele sind keine Heiligtümer. Ob Spiele ein Kulturgut sind, habe ich mit ihm nie klären können. Das war Herbert alles zu hoch aufgehängt. Spielen war für ihn Spaß und intellektuelle Herausforderung. Sieg oder Niederlage waren für Herbert trotzdem auch das Ergebnis von Glück, nicht von geistiger Überlegenheit.

Jedes Spiel bekam bei ihm eine Chance. Ganz besonders liebte Herbert Eisenbahn- und Rennspiele. Da war er mit besonderem Einsatz, aber nie mit Übereifer dabei, spielte souverän aus dem Bauch … und gewann natürlich. Naja … sehr oft. Herbert liebte die fluffigen, eleganten Spiele, die genügend Flow aus Thema und Mechanik erzeugten. Gleisbau, Eisenbahngesellschaften und deren Aktienkapital waren sein Metier, da spielte Herbert uns alle in Grund und Boden. Und trotzdem war immer eine menschliche Atmosphäre rund um den Spieltisch. Nie hat er nachgekartet oder Züge rückgängig machen wollen.

Für uns war Herbert richtungsweisend, ein verlässlicher wie menschlicher Ratgeber und immer ein Vorbild als Rezensent. Wir vermissen ihn. Sein Tod hat eine große Lücke in unsere Redaktion gerissen. Ich vermisse ihn ganz besonders als liebenswerten Mitspieler beim Montagsspielen.

Am 21.10.2016, nur vier Tage nach seinem 61. Geburtstag hat uns Herbert Heller nach langer Krankheit viel zu früh verlassen. Wir trauern mit seiner Familie um unseren guten Freund.

Unser alter Mitstreiter Udo Bartsch hat auf seinem Blog ebenfalls einen Nachruf verfasst.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Aktuelle Tweets von der Spiel '16

In folgender Timeline twittern Wolfgang Friebe und ich von der Messe. Natürlich spätestens ab Freitag mit Zwischenergebnissen von der Scoutaktion. Am Sonntag Nachmittag gibt es das Endergebnis.
           
           
         

Montag, 10. Oktober 2016

À la Carte Preis 2016: 7 Wonders Duel

Unsere Wahlfrauen und -männer haben entschieden:

Den Titel À la Carte 2016 gewinnt 7 Wonders Duel.

Fünf Jahre danach ...
... ist die Zeit reif für den kleinen Bruder von 7 WONDERS. Wer hätte gedacht, dass "Drafting" auch zu zweit funktioniert und trotzdem noch diese gewisse Spieltiefe bietet, die schon 7 WONDERS ausgzeichnet hat. Zusätzlich bietet 7 WONDERS DUEL noch die Option auf einen vorzeitigen Spielsieg: Entweder mit militärischer Übermacht und durch Forschung und Fortschritt.

Wie schon beim Deutschen Spiele Preis muss sich das ansonsten hochgelobte CODENAMES mit dem zweiten Platz begnügen. Dass DIE HOLDE ISOLDE, wenn auch mit deutlichem Abstand, auf den dritten Platz landet, ist sicher eine Überraschung.

  1. Antoine Bauza und Bruno Cathala: 7 WONDERS DUEL bei Repos
  2. Vlaada Chvátil: CODENAMES bei CGE
  3. Nicolas Poncin: DIE HOLDE ISOLDE bei Schmidt Spiele
  4. Alexander Pfister: OH MY GOODS/ROYAL GOODS bei Lookout Games
  5. Jacques Zeimet: DIE FIESEN 7 bei Drei Hasen in der Abendsonne
  6. Alexandr Ushan: AGENT UNDERCOVER bei Piatnik
  7. Stefan Feld: DIE BURGEN VON BURGUND KARTENSPIEL bei alea
  8. Jun Sasaki: KOBAYAKAWA bei Heidelberger
  9. Christoph Behre und Reinhard Staupe: 3 SIND EINE ZUVIEL! bei Amigo
  10. Johannes Schmidauer-König: DIE PORTALE VON MOLTHAR bei Amigo
Wir gratulieren allen platzierten Autoren und Verlagen und wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, viel Spaß beim Kartenspielen!

Mittwoch, 28. September 2016

Editorial 117


Liebe Leserinnen und Leser,

Verdammt! Ist es wirklich wieder schon so spät? Die lnternationalen Spieletage in Essen stehen gänzlich unvermutet wieder vor der Tür?! Ist der Spielejahrgang wirklich schon durch? Als Printmedium haben wir für die aktuellen Messeneuheiten einen zu langen Vorlauf … manchmal auch nicht.

lst doch jedes Jahr derselbe Rhythmus. Mit dieser Nummer ist der Kehraus fällig. Und in meinem Stall stellt sich wie jedes Jahr die Frage: Womit füllen wir jetzt noch unser Heft? Alle Toppspiele sind längst besprochen, alles erwähnt und kritisiert. Wir haben für Sie wieder alles zusammengekehrt, was noch übrig geblieben ist. Stopp! So geht's ja nicht. Erstaunlicherweise finden sich immer noch ein paar gute Spiele, die uns tatsächlich bislang durch die Lappen gegangen sind. Gut, dass meine Knechte den Jahrgang im Blick haben. Wir haben die Lücken dann doch noch auf den letzten Drücker füllen können. Mensch, wir sind doch verdammt profffesssionelll.

Ach, die Jury hat ja auch gesprochen. Das Ergebnis hat mich dann doch überrascht, und das sogar doppelt. Ich hatte fest damit gerechnet, das PANDEMIC LEGACY oder zumindest T.l.M.E STORIES den grauen Pöppel gewinnen würde. Und natürlich, dass Haba als Newcomer im Bereich jenseits von Kinderspielen ebenfalls für ARUBA ausgezeichnet wird. War wohl nix. Die Glückwünsche gehen an die Macher von CODENAMES und ISLE OF SKYE. Wenn Sie jetzt fragen, welcher Titel davon den roten und welcher den grauen Pöppel erhalten hat, finden Sie sich in guter Gesellschaft. Nämlich in meiner. Ob das eine nun den roten und das andere Spiel den grauen Pöppel gewinnt, macht für mich dieses Jahr so gar keinen Unterschied. Für mich altes Pferd ist ISLE OF SKYE eher ein rotes und CODENAMES eher ein graues Spiel.

Wächst wieder zusammen, was einst getrennt werden sollte? Wo ist denn bitte dieses Jahr die Trennlinie? Ich vermag es nicht zu erkennen, denn beide Spiele bewegen sich auf Kennerniveau. Für die Familie ist beides eher anspruchsvolle Kost, wobei ISLE OF SKYE immerhin noch bewährten Pfaden folgt. So ein Legespiel kennt man ja irgendwie.

Die Frage für den nächsten Jahrgang lautet also: Gibt es demnächst wieder zwei Kennerspiele für das längst nicht mehr separierte Spielevolk. Tom Felder als Vorsitzender der Jury hat zwischen Spielen für „alle Leute“ und für „Menschen, die schon etwas erfahrener im Erlernen und in der Anwendung von Spielregeln“ sind, differenziert. Es geht nicht mehr um die bislang beschworene Familie. Alle Leute sind alle Leute, da ist keine Abstufung beim Anspruch mehr erforderlich. Rot ist das neue Grau. Allerdings ist bei der Wahl der beiden Preisträger wohl entscheidend, in welchen Kreisen sich die Jury bewegt und in welchem Milieu deren Alltag spielt.

Im Internetzeitalter hält uns Google maßgeblich in einer Blase, der man, ohne sich dessen bewusst zu werden, nur schwer entrinnen kann. Egal, wonach man sucht, Google weiß schon, was wir mögen. Man bekommt Ähnliches vorgesetzt, weil es doch viel schöner ist, seine Meinung und Vorlieben bestärkt zu bekommen. Ist das vielleicht auch ein Prozess, der in der Jury abläuft? Sind da nicht zu viele Vielspieler vereint? Zu viele akademische Männer, die mittlerweile von und durch die Szene beeinflusst werden? Spielen nicht sowieso überproportional viele Akademiker Gesellschaftsspiele? Ich denke schon, wobei diese Szene traditionell eher zu anspruchsvoller Kost neigt.

Die Messe in Essen dürfte wieder von Spielen auf diesem Niveau wimmeln. In unserer Scout-Aktion wird diese Vorliebe bislang zuverlässig abgebildet. Wir leben also allesamt in der sich selbst bestärkenden Blase, dass anspruchsvolle Spiele auch gute Spiele sind. Sind sie meistens, ist ja unbestritten. Aber manches Mal sollten wir über den Tellerrand blicken. Mal ohne Vorurteile mit nicht so erfahrenen Spieler spielen, deren geringe Ansprüche ernst nehmen, sie nicht mit seitenlangen Regeln erschlagen … Wer macht das schon? Ich weiß, das ist anstrengend. Aber ich weiß auch, wer das macht. Verlage, die für den - für uns eher negativ belegten - Massenmarkt produzieren, sind darauf angewiesen, die Ansprüche der Gesellschaft als Ganzes zu bedienen. Leute - Gesellschaft sind nicht nur wir Vielspieler!


Wir sehen uns in Essen


Ihr Harry


p.s.: Unsere Scout-Aktion läuft wieder, bitte denken Sie an lhren Scout-Ausweis.

Donnerstag, 15. September 2016

Fairplay 117 - Oktober bis Dezember 2016

Reportagen

  • Spielagon
  • Heiße Luft oder frischer Wind? Wolfgang Friebe und Kathrin Nos ergründen, was am Hype von PANDEMIC LEGACY und T.I.M.E STORIES wirklich dran ist.
  • Das freie Elektron: Der französische Autor Roberto Fraga im Porträt
  • Nachruf: Harald Bilz

Kritiken

  • Iki
  • Yeti
  • Via Nebula
  • Leo muss zum Friseur
  • Stronghold
  • Aya
  • 504
  • Completto
  • They come unseen
  • Skull King Würfelspiel
  • Roll for the Galaxy
  • Tumult Royal und Schmuggler

Interviews

  • Maria Kühne über spielagon.de
  • Thomas Fedder über 504
  • Matthias Karl übers Skull King Würfelspiel

Rubriken

  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Nachschlag: Das Goldene Zeitalter - Kulte & Kulturen, Colt Express - Postkutsche & Pferde, Dominion Abenteuer
  • Aufgewärmt: Alles im Eimer, Agricola - Familienversion
  • Jeux de Deux: Bohnanza - Das Duell
  • Fast Food: Crazy Time, Star Wars Risiko, Kerala, Lichterfest, Sifaka, Asterix & Obelix - das große
  • Abenteuer, Halt mal kurz, Qwinto
  • à la carte: Elements, Pingvasion, Cards, Royal Goods / Oh my Goods, Broom Service - Das Kartenspiel
  • ausSCHACHtungen
  • Rückblick: Fairplay 38
  • Preisrätsel: Die wunderbare Welt der Schwerkraft
  • Wir spielen gern ...
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