Dienstag, 9. Januar 2007

Favoritensiege überall


Spielejahrgang 05/06: CAYLUS siegt beim Deutschen Spiele Preis, THURN UND TAXIS bei der Jury

An der Spitze ist man sich weitgehend einig. Der Franzose William Attia und sein CAYLUS gewinnen den Deutschen Spiele Preis mit einem erstklassigen Ergebnis – 52 Prozent der maximal möglichen Punkte sind ziemlich beeindruckend. THURN UND TAXIS folgt mit immerhin 40 Prozent. Der Vorjahressieger LOUIS XIV brachte es damals auf gerade mal 27 Prozent.
Offensichtlich gibt es in diesem Jahr eine hervorragende Spitze und ein eher unterdurchschnittliches Mittelfeld. Da konnten die abstimmenden Experten und Spieler leicht einen Konsens finden.
Auch die Spiel-des-Jahres-Jury einigte sich auf den Favoriten und prämierte wie erwartet THURN UND TAXIS. CAYLUS machte die Jury bereits vorab zu dem, was das Spiel ist: ein komplexes – und hob dafür einen Sonderpreis aus der Taufe.
Die Bronzemedaille des am Vorabend der Essener Spieltage verliehenen Deutschen Spiele Preises geht an ANTIKE, ein aufwändiges, bis zu vierstündiges Spiel. Genau wie bei CAYLUS wird mit ANTIKE ein Trend deutlich, der auf der Spiel ’05 um sich griff: Aus Eigenverlegern werden Kleinverleger. Die in der Szene schon immer hoch gelobten Kleinstverlage waren oftmals ja gar keine richtigen Verlage. Sondern es waren Vehikel jeweils einzelner Spieleautoren, ihre Titel selbst zu verlegen. Eine echte verlegerische oder redaktionelle Tätigkeit bleibt aus, wenn der Autor diese Rollen in Personalunion verkörpern muss.
Mit ANTIKE feiert Peter Eggert seinen ersten großen Erfolg. Auch er war als Eigenverleger mit einer Reihe von Spiele aus der eigenen Feder gestartet. Doch gekrönt wird seine verlegerische Tätigkeit mit einem Spiel von Walther „Mac“ Gerdts. Die Trennung der Autorentätigkeit von der Redaktions-/Verlegertätigkeit kann für die Qualitätsentwicklung eines Spieles sehr zuträglich sein. ANTIKES Erfolg ist auch deshalb bemerkenswert, weil es vermutlich die geringste Auflage der prämierten Spiele hat. CAYLUS kommt zwar auch aus einem Ein-Mann-Verlag. Ystari hat sich aber mit Huch & friends einen starken Partner mit einem leistungsfähigen Vertrieb gesucht.
Es ist das erste Mal seit der Begründung des Spiele Preises 1990, dass kein deutscher Autor und kein deutscher Verlag diese Auszeichnung für das beste „German style game“ erhält. Was sich mit dem amerikanischen ZUG UM ZUG beim Spiel des Jahres bereits andeutete, ist mit dem französischen CAYLUS jetzt auch beim Deutschen Spiele Preises Realität. Der Spielemarkt gehört den deutschen Spieleschaffenden nicht mehr allein.
Platz 4 des Deutschen Spiele Preises geht an BLUE MOON CITY. Das ist keine Überraschung, denn dieses von der Jury mit einer Nominierung ausgezeichnete Spiel wird vielfach gelobt. Ansonsten lösten die Jury-Nominierungen bei dem Fachpublikum, das über den Spiele Preis entscheidet, offensichtlich Kopfschütteln aus. Weder JUST 4 FUN, noch SEERÄUBER, noch das taktisch etwas anspruchsvollere AQUA ROMANA hatten eine Chance.
MESOPOTAMIEN – Platz 5 – zählt unstrittig zu den guten Spielen eines wenig begeisternden Jahrgangs, genauso wie ELASUND und MAUERBAUER auf den nächsten Plätzen. Diese beiden Titel wurden von der Jury noch nicht einmal einer Empfehlung für würdig gehalten.
Schlechte Startvoraussetzungen hatte AUGSBURG 1520. Dieses Spiel verließ erst im Mai die Produktionshallen und hatte damit kaum eine Chance, sich einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Vielleicht hätte es zu einem anderen Zeitpunkt mehr Glück gehabt. SCHATTEN ÜBER CAMELOT erging es im letzten Jahr ähnlich. Es landete damals nur auf Platz 7 – wenn es erst in diesem Jahr zur Abstimmung gestanden hätte, wäre das Ergebnis wohl besser gewesen. Hans im Glück ist mit drei Spielen in der Top Ten vertreten, Alea und Kosmos mit je zwei. Die Sympathien des Fachpublikums sind in diesem Jahr eindeutig verteilt.

Aus der Fairplay Nr. 77

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