Sonntag, 29. Juli 2007

Sherlock Holmes Criminal Cabinet

Als Spiel des Jahres 1985 gehört auch Sherlock Holmes Criminal Cabinet in einen Bericht über Krimispiele. Anhand ausgewählter Indizien begaben sich die Spieler durch das viktorianische London, um eine Reihe von Kriminalfällen zu lösen. Durch die chronologische Anordnung konnte es vorkommen, dass sich Hinweise zu einem Fall bereits im jederzeit verfügbaren Material älterer Ereignisse fanden. Eine etwas aufgesetzte Punktvergabe sollte darauf hinwirken, dass auf möglichst wenige Hinweise zurückgegriffen wurde. Dass man Extrapunkte durch Spezialwissen um bestimmte Details aus den Werken Sir Arthur Conan Doyles erlangen konnte, schwächte diese Punktevergabe weiter ab, so dass die Mehrheit der mir bekannten Hobby-Detektive sich komplett von der Punktewertung löste und sich auf das kooperative Vorgehen konzentrierte. Mit TATORT LONDON erschien eine Fortsetzung mit weiteren Fällen. Mit dem wesentlich umfangreicheren und komplexeren Fall DIE QUEEN’S PARK AFFAIRE wurden die deutschen Veröffentlichungen zu SHERLOCK HOLMES abgeschlossen. Bei Luding sind verschiedene Rezensionen zum Grundspiel gelistet - mehr Informationen zu den deutsch- und auch englischsprachigen Erweiterungen sind dort zusammengefasst unter Spiele der Serie Sherlock Homes Consulting Detective

Nächste Folge: Mystery Weekends

Donnerstag, 26. Juli 2007

Bye, bye Udo

1998 stand ein langhaariger Bombenleger am Stand in Essen ... mit ungeputzten Schuhen. Stand einfach da, ging nicht weg und bekam gleich was zu hören. Wie man es machen sollte und vor allem: Wer es ganz bestimmt nicht macht! Da wurde gerade eine irrsinnig gute Idee ausgebrütet. Nur die Umsetzung ... da lag der Hase im Pfeffer. Und der Mann stand einfach da, ging nicht weg. Bis ihn einer fragte, ob er vielleicht ein Heft kaufen wolle. Ach, du bist der Udo?! Keiner kannte diesen schweigsamen jungen Mann, der bereits seit Heft 43 die Feder für Fairplay führte. So ein stiller Vertreter kann so scharfe Texte schreiben – glaubt man nicht!

Und beim Redaktionsessen beim Iren im Giradet-Haus, gleich neben der Gruga, saß der Mann mit am Tisch und war live dabei - beim vielstimmigen Chor der Redaktion: Dem Einen passt das Essen nicht, anderen ist's zu laut, und überhaupt ist es zu rauchig. Udo Bartschs Stimme blieb ungehört, noch! Lag es daran, dass der vielstimmige Fairplay-Chor über die Jahre ausdünnte oder hat sich „unser“ Udo einfach mehr in den Vordergrund geschoben. Nie hat er diskutiert, wer welche Themen bearbeiten sollte, er hat sie für sich gefunden und bearbeitet. Immer mit dem nötigen Hintergrund und seiner guten Schreibe.

Jetzt ist es amtlich, er schreibt in einem profffessionelleren Umfeld – auf eigenen Wunsch und nach reichlich Überlegung. Ein noch professionelleres als als bei Fairplay? Soll's ja geben, außerdem fehlte dort seit einiger Zeit ein Mann wie „unser“ Udo. Er steht sicher dieses Jahr in Essen wieder an einem Stand – mit langen Haaren und ungeputzen Schuhen. Nur wird man ihn dort sofort erkennen ...

Montag, 23. Juli 2007

Krimirollenspiele der 80er Jahre

Der erste Ausflug in die Welt der Krimi(rollen)spiele führt in die Vergangenheit. In den 80er Jahren gab es bereits eine Auswahl an Krimispielen. Im deutschsprachigen Raum erschien bei Schmidt Spiel + Freizeit die dreiteilige Reihe KRIMI-PARTY. Die Fälle erlaubten die Beteiligung von sechs oder acht Personen, die in mehreren Hinweisrunden den Fall lösten. Als Besonderheit ist die Kassette zu erwähnen, die jedem der Spiele beilag und begleitend sowie informierend zur Atmosphäre beitrug. Online ist bei Luding nur eine Rezension gelistet.
Ähnlich aufgebaut ist die englischsprachige Serie HOW TO HOST A MURDER. Seit 1985 erschienen bisher insgesamt 16 Fälle, von denen einige über den Verleger Decipher auch heute noch bezogen werden können.
Auf deutsch übersetzt wurden mindestens zwei der "How to Host a Murder" Fälle, die als TÄTER UNTER UNS bei Altenburg-Stralsunder erschienen.

Nächste Folge: Sherlock Holmes Criminal Cabinet

Fairplay 80 · Juli–September 2007

Harry als greiser Opa - ein Abbild der Redaktion?Der Inhalt

Rückblick 20 Jahre Fairplay

Kommentar Zooloretto siegt ohne Knut – die Jury versucht Transparenz

Bericht Die Welt der Krimi(rollen)spiele

Wiederspielen 1991 – Entenrallye

Spieleautorenportrait Tobias Stapelfeldt

Wir über uns Kathrin Nos

Spielekritiken

Alchemist Amigo
Colosseum Days of Wonder
Deutschland Kosmos
Der Dieb von Bagdad Queen
Fangfrisch Queen
Guatemala Café Eggert
Notre Dame Alea
Race the Wind Ghenos
Tal der Abenteuer Parker
Trapper Clementoni
Wikinger Hans im Glück
World of Warcraft Fantasy Flight
Zooloretto Abacus

Fast Food
Glanz und Gloria Hans im Glück
Die Wilden Hühner Kosmos
Würfel Bingo Ravensburger

Kartenspiele
Bungee Amigo
Gloria Picktoria Zoch
Serengeti Abacus

Spielplatz
Dschungelschatz Haba
Hüpf Hüpf, Hurra Ravensburger
Die kleine Hexe Kosmos

Montag, 16. Juli 2007

Ankündigung: Serie zu Krimi(rollen)spielen

In Fairplay 80 erscheint ein Beitrag zu "Die Welt der Krimi(rollen)spiele". Im Anschluss an die Veröffentlichung des Heftes wird hier im Blog eine neunteilige Serie zu den verschiedenen, im Bericht erwähnten und besprochenen Spielen mit einigen Links erscheinen. Über Informationen und Ergänzungen, die Sie als Leser beizusteuern haben, würde ich mich sehr freuen.

Dienstag, 10. Juli 2007

Kleopatra im Live-Ticker

FAIRPLAY stand von je her in dem Ruf, Spiele zu verreißen. Auch wenn das, was andere "Verriss" nannten, oft gar nichts weiter als eine offene, ehrliche und berechtigte Kritik war.

Dass es selbst im Bereich der Verrisse noch Innovationen und Steigerungsmöglichkeiten gibt, bewies Wolfgang Friebe in Heft 77 (Oktober 2006). Seine Liveticker-Rezension von KLEOPATRA UND DIE BAUMEISTER geriet ganz nebenbei auch zur Satire auf die eigene Spielerunde:

20:01 Die Mitspieler treffen ein und bewundern voller Ehrfurcht das opulente Material.
20:02 Die ersten ketzerischen Äußerungen über die Qualität des Materials.
20:03 Die Gruppe ist sich einig: Das Plastik sieht billig aus. Der Rezensent hat Mühe, die Regel zu erklären.
20:30 Es besteht Hoffnung, dass alle die komplizierten Regeln verstanden haben. Wofür man welche Karten braucht, steht auf den Spielhilfen. Jeder bekommt eine. Es beginnt eine Diskussion, warum dieses und jenes diese Karten und nicht andere Karten kostet. Die Mitspieler geraten über die vielen unterschiedlichen Karten in Verwirrung. Die Spielgeschichte wirkt aufgesetzt, die Kosten für die Bauabschnitte willkürlich gewählt. Sockel und Thron kosten 3 Handwerker, 2 Marmorplatten und 2 Lapislazuli. Und warum braucht man dafür keine Steinblöcke? Erste Tendenzen, das Spiel abzukanzeln.
(...)
22:13 Endlich ist das Spiel vorüber. Alle sind glücklich! Der Freund des Ausdembauchspielens wird den Krokodilen vorgeworfen. Er hat sich nicht um Korruptionsamulette geschert. Die anderen reden von Blendwerk und gestohlener Zeit.
22:22 Die Stimmung kippt gegen den Rezensenten. Dummerweise verrät er, dass es in einer anderen Runde genauso gelaufen ist. Dem Rezensenten wird vorgeworfen, vorsätzlich und wider besseres Wissen diese Graupe auf die Spielerunde losgelassen zu haben.
22:22:20 Der Freund des Ausdembauchspielens ist gar nicht tot und greift sich den Obelisken. Der Rezensent fragt sich, warum die Krokodile ihn nicht gefressen haben. Ist er zu zäh, weil schon zu alt?
22:22:30 Mit voller Wucht rammt er aufgebracht dem Rezensenten den spitzen Obelisken in die Brust.
22:22:34 Der Rezensent stöhnt vor Schmerz.
22:22:35 Die Mitspieler warten auf Blut.
22.22:38 Die Mitspieler warten weiterhin auf Blut.
22.22:39 Es fließt kein Blut. Die Mitspieler machen sich Sorgen. War der Obelisk nicht spitz genug? (...)

- Ende der Serie -

Freitag, 6. Juli 2007

Viele Asiaten

Als ich meinen Artikel über Spielen in Japan und Südkorea (Heft 69, Oktober 2004) schrieb, hatte ich schon damit gerechnet, dass sich einige zusätzliche Leute dafür interessieren würden. Ahnungslos war ich jedoch, welcher Nationalität die neue Generation der FAIRPLAY-Leser sein würde...

Aus dem Messebericht in Heft 70:

Selten war die Messe internationaler, ganz besonders an unserem Stand. Seit Udo Bartschs Artikel über die koreanische und japanische Szene fungierte unser Stand als Anlaufstelle für ganz, ganz viele Asiaten. Sobald wieder einer auftauchte, wurde unser Udo nach vorne geschoben, worauf die gesammelte Mannschaft in hektischen Aktionismus verfiel, nur damit unser Udo freie Bahn zum multikulturellen Austausch hatte.
Nur hätten wir unserem Mann für Asien einige Sitten beibiegen müssen, damit uns die Asiaten nicht für unzivilisiert halten. So ist es eine Todsünde, die Business Card eines Japaners ohne Hochachtung einfach in der Jackentasche verschwinden zu lassen. Aber die Liebe der Japaner und Koreaner für FAIRPLAY kannte keine Grenzen.
Als dann noch eine nette Koreanerin am Stand auftauchte, um gleich zehn Hefte zu kaufen, fiel unserem Chefredakteur nicht mehr viel ein: "Wir sind ausverkauft. Wir verkaufen keine Hefte." Die Dame war sichtlich irritiert von so viel Höflichkeit. Da empfand sie es sicherlich als besondere Gnade, dass irgendwer von irgendwoher noch ein aktuelles Heft hervorzauberte, das dann ordentlich bezahlt wurde. So lernt jeder dazu. Die Asiaten vor allem an deutscher Höflichkeit.


Es folgt Teil 20: Kleopatra im Live-Ticker

Montag, 2. Juli 2007

Sex sells

Ein belgischer Verlag hatte tollkühn Rezensionsmuster seiner vier Sexspiele zur Verfügung gestellt. Da war es nur recht und billig, die Spiele auch akribisch zu testen. Ein Job wie gemacht für Frank Kersten, der zu Beginn des Artikels in Heft 66 (Januar 2004) noch optimistisch darauf hinwies, "im Vergleich zu einigen Rest-FAIRPLAYern noch lange in der Blüte meines Lebens" zu stehen. Nach einer Partie KAMASUTRA sah die Welt anders aus...

Spiel: weißen Würfel werfen, Position der Frau bestimmen (stehen, liegen, sitzen, auf Händen und Füßen...). Schwarzer Würfel: Mann bückt sich - oder steht, liegt oder wie auch immer. Der rote Würfel bestimmt mögliche Handlungen während des Liebesspiels, also z. B. Küssen, Streicheln und Massieren, aber auch den Beischlaf. Gut, dass dieser noch mal erklärt wird: "Wenn die Aktion "Beischlaf" geworfen wird, muss der Penis in die Vagina gebracht werden (Anm. d. Red: nur zur Sicherheit, für die jüngeren Mitspieler), und zwar in der Position, die mit dem Positionswürfel geworfen wurde." Gelber Würfel: Zeigt sechs Körperteile, die während der Turnerei verwöhnt werden sollen - hätte ich nur vier Arme. (...)
Probepartei am Wochenende nach der Messe:
21.00 Uhr: Meine Frau bestimmt ihre Position, ich muss schon lachen.
21.01 Uhr: Ich würfle, warum lacht sie? Sieht doch gut aus.
21.02 Uhr: "Beischlaf" wird sofort gefordert - ich bin doch keine 17 mehr, noch mal würfeln!
21.03 Uhr: Wilde Fummelei gemäß Vorgabe - bin gelenkig genug und brauche gar nicht mehr Arme!
21.08 Uhr: Jetzt bloß kein "Beischlaf", schwierige Position - habe Angst.
21.09 Uhr: "Beischlaf"!!!!
21.09 Uhr: Rücken kaputt, auswechseln - Frau lacht schon wieder und meint, "Einrenken" wäre nicht gewürfelt...
Montag, 8.30 Uhr: Arzt lacht und gibt Spritze - was für ein Sch...wochenende.

Es folgt Teil 19: Viele Asiaten