Sonntag, 26. August 2007

Übersicht über weitere Krimispiele

In dieser Folge möchte ich Ihnen eine kleine Sammlung weiterer Links präsentieren. Die entsprechenden Spiele sind im Printbericht nicht berücksichtigt. Wenn Sie Informationen oder Erfahrungen zu den angegebenen Spielen haben, würde ich mich sehr über eine Mitteilung freuen!
Auf der Seite 5te Gebot finden Sie zwei Fälle zu "Mord im Leuchtturm". Dazu muss man eine Mail an die angegebene Adresse schicken, um eine automatische Antwort mit den Zugangsdaten anzufordern. Eine Reihe von .pdf-Dokumenten steht zum Download und Ausdruck bereit, die alles benötigte Material darstellen.
Ein ähnliches Konzept verfolgt Kupferberg Kreativ. Hier kann man die Fälle dieser Reihe bestellen und erhält entweder eine CD mit den fürs Selberausdrucken benötigten Daten, oder man kann sich für einen höheren Preis auch das fertige Material zuschicken lassen.
Weitere Fälle mit kostenpflichtigem Download sind unter Host Party verfügbar.

Nächste Folge: Mörderische Dinnerparty

Mittwoch, 22. August 2007

Spiel der Spiele 2007

Extreme Activity gewinnt den Österreichischen Spielepreis

EXTREME ACTIVITY – das muss sich der Spielekenner erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Spiel-des-Jahres-Jury ist im Vergleich zu der österreichischen Spiel-der-Spiele-Jury längst ein Hort der Berechenbarkeit. EXTREME ACTIVITY ist ein Derivat des alten Bestsellers ACTIVITY, weiterentwickelt in Zusammenarbeit mit ProSieben. „Das amüsante Partyspiel erreichte als TV-Show nicht nur ein Millionenpublikum, sondern wurde in der Extreme-Version durch neue Varianten von Spielaufgaben auch als Brettspiel noch besser als zuvor“, zeigt sich Dagmar de Cassan, Vorsitzende der sechsköpfigen österreichischen Jury, sicher. Besonders stolz ist man in Wien darauf, dass ACTIVITY mit dem Autorenquartett Paul Catty/Ulrike Catty/Josef Führer/Maria Führer und dem Piatnik-Verlag eine rein österreichische Produktion ist.

Ursprünglich war der Österreichische Spielepreis recht ambitioniert gestartet. 2001 wurde mit Klaus Teubers ENTDECKER ein Spiel prämiert, das von der Spiel-des-Jahres-Jury geflissentlich übersehen wurde.

Für Verwunderung sorgte jedoch 2003 die Entscheidung für das Elektronikspiel KING ARTHUR, das zu dem damaligen Zeitpunkt – mit der Ausnahme von einigen Vorabexemplaren – noch gar nicht auf dem Markt war und mit erheblichen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Auch der 2006er-Preisträger TAL DER ABENTEUER wurde scheinbar in enger Abstimmung mit dem herausgebenden Spieleverlag ausgezeichnet. „Es ging ziemlich schnell mit der Prämierung. Unsere Redaktion erhielt ein Exemplar kurz nach der Veröffentlichung und da gehörte das Preislogo schon zur Schachtelgrafik“, ist in der aktuellen FAIRPLAY nachzulesen.

Das Spiel der Spiele sei ein „Marketingpreis“, wurde schon vor Jahren aus dem Umfeld der Spiel-des-Jahres-Jury Richtung Wien gestänkert und eine zu große Verlagsnähe unterstellt. Die Österreicher widersprechen dem nur halbherzig und räumen eine „marktnahe“ Ausrichtung der Auszeichnung ein. Diese Marktnähe wird mit ACTIVITY nochmals unterstrichen. Etwa vier Millionen Mal ging das Spiel bereits über den Ladentisch. ProSieben und Showmaster Jürgen von der Lippe tun alles, um die Auflagenzahlen zusätzlich zu steigern.

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Sonntag, 19. August 2007

Mitspielkrimi

Im Urania-Verlag ist ein Buch mit mehreren Mitspielkrimis erschienen. Für verschieden große Gruppen stehen Fälle bereit, die alle nach demselben Schema aufgebaut sind: Zunächst wird die Hintergrundstory vorgelesen. Im Anschluss erhält jeder seine Rollenbeschreibung, die aufgeteilt ist in zwei Bereiche: Der Einleitungstext dieser Person wird reihum vorgetragen, während die weiteren Informationen nur dem Spieler bekannt sind. Insbesondere weiß der Mörder von Anfang an Bescheid. Einige Ansatzpunkte für die Nachforschungen werden manchen Personen mitgegeben, so dass man durch das Rollenspiel weitere Indizien zutage fördern kann. Hat jeder die ihm zur Verfügung stehenden Informationen verwertet, tippt jeder auf den Mörder.
Durch die im Vergleich überschaubare Spieldauer von einer oder zwei Stunden ist der Aufwand und die Organisation sicherlich leichter als bei längeren Krimispielen. Durch das Vorlesen der allgemeinen und rollenspezifischen Informationen ist die rollenspielerische Anforderung nicht sehr hoch. Ein paar Probleme ergeben sich aus dem Spielaufbau bezüglich des Spannungsbogens. Hierzu gehört etwa, dass sich nur schwer neue Ansatzpunkte für weitere Nachfragen ergeben, wenn die Ermittlungen ins Stocken geraten. Die Basis der verfügbaren Informationen ist insgesamt recht dünn, wenn es zum Vortragen der Anklagen kommt.
Hier finden Sie die Homepage zu den Mitspielkrimis. Das Material für einen Probekrimi steht kostenlos zur Verfügung - aber auch für die anderen Krimis stehen Vorlagen zum Ausdruck bereit, so dass man die Rolleninformationen nicht umständlich aus dem Buch kopieren muss.

Nächste Folge: Übersicht über weitere Krimispiele

Sonntag, 12. August 2007

Dinnerkrimi

Eine im Vergleich zu den zuvor vorgestellten Mystery Weekends einfachere Version der Live-Inszenierung kann man bei einem Dinnerkrimi erleben. Unter verschiedenen Anbietern regionaler oder überregionaler Veranstalter greife ich zwei heraus, die unter den Links Dinnerkrimi und Krimidinner erreichbar sind.

Ich selbst habe in Bensheim den Fall "Schwarze Nelken für den Don" vom Dinnerkrimi-Team erlebt. Beim Eintreten in den Saal wurden wir einem Platz zugewiesen, an dem bereits die Vorspeise auf uns wartete. Zwei lange Tische liessen im Mittelgang und an den Außenseiten Platz für die Schauspieler, die jeweils zwischen den Gängen ihre Rolle spielen. Das Publikum wurde dabei durch Kleinstbeiträge zuvor ausgewählter und instruierter Gäste eingebunden. Ansonsten kam kaum Rollenspiel seitens der Gäste auf. Die Handlung war sehr geradlinig, und beim eigenen Lösungsversuch lag man mit dem Tipp aufs Offensichtliche richtig. Insgesamt war es ein durchaus unterhaltsamer Abend ohne spielerische Herausforderung. Andere Veranstalter bieten statt eines Menüs ein Buffet an. Bei anderen Formen solcher Krimiabende muss man Hinweise aktiv bei den Schauspielern erfragen, um auf die Lösung kommen zu können.

Nächste Folge: Mitspielkrimi

Donnerstag, 9. August 2007

Spiel des Jahres 2007

Zooloretto siegt ohne Knut: Die Jury versucht Transparenz

Das eigentlich Revolutionäre an der diesjährigen Spiel-des-Jahres-Prozedur ist die Veröffentlichung eines Protokolls der Jury-Sitzung. Der schweizerische Juror Tom Felber hat es geschrieben und auf spieldesjahres.de veröffentlicht. Namen werden selbstverständlich keine genannt und leider auch keine Spieletitel – trotzdem ist dies eine erhebliche Zunahme an Transparenz.
Dass die Jury keine Chance hat, an ZOOLORETTO vorbei zu kommen, hatte der Fairplay-Blog schon im April gemeldet . Allerdings wurde dort noch scherzhaft verlangt, den Panda vom Titelbild zu nehmen und stattdessen einen Eisbär auszuwählen. Im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel, der ZOOLORETTO zum Thema der Wirtschaftsberichterstattung machte, gestand Joe Nikisch ein, dass das Titeltier eigentlich eine Fehlentscheidung sei. „Wir hatten auf dem Probetitel sogar einen Eisbären.“ Doch die Entscheidung sei noch vor der Knut-Euphorie gefallen, so Nikisch, dessen Kleinverlag die Auszeichnung überaus verdient hat. Die Abacusspiele gehören seit sehr vielen Jahren zu den rührigsten Spieleverlagen, und auch der Autor Michael Schacht ist schon lange nicht mehr aus der Szene wegzudenken.
Der rote Pöppel in Kombination mit dem populären Zoo-Thema: ZOOLORETTO wird sicherlich in sehr großer Auflage über die Ladentische gehen und sich an seinem Vorgänger messen lassen können. Knapp 400.000 Exemplare habe THURN UND TAXIS im letzten Jahr umgesetzt, schreibt die Frankfurter Rundschau, die ihre Spiel-des-Jahres-Berichterstattung ebenfalls an die Wirtschaftsredaktion delegiert hat.
Wo bleibt da das Kulturgut Spiel? Wird man sich in ein paar Jahren noch an ZOOLORETTO erinnern? Oder löst es dann nur noch ein müdes Gähnen aus? Dabei helfen weder die verkaufte Auflage noch ein nett lächelndes Tier auf dem Cover. Sondern das Spiel als solches muss gut sein. Wenn Jury-Sprecher Stefan Ducksch sagt, ZOOLORETTO schaffe den „Spagat zwischen einfachem Einstieg und strategischem Anspruch“, habe ich so meine Zweifel. Das Spiel hat nämlich weder einen besonders eingängigen Ablauf noch ist das spielerische Geschehen auffällig anspruchsvoll.
Aber: Welches der nominierten Spiele wäre sonst für den Hauptpreis in Frage gekommen? ARKADIA fehlt eine schöne Geschichte. JENSEITS VON THEBEN hat einen übermäßig frustrierenden Glücksfaktor und dauert etwas zu lange. YSPAHAN besitzt eine zu überladene Regel. Und DER DIEB VON BAGDAD ist kein wirklich gutes Spiel.
Außerhalb der Nominierungsliste wären DIE SÄULEN DER ERDE und WIKINGER in Frage gekommen. Obwohl SÄULEN DER ERDE eine umfangreiche Spielanleitung hat, ist das Ganze wegen der optimalen Umsetzung letztlich doch ein recht eingängiges Spiel. WIKINGER, ebenfalls eines der besten Spiele des Jahrgangs, hat wiederum einen anspruchsvollen Ablauf, der von der Thematik leider nicht besonders unterstützt wird.
NOTRE DAME, ein weiterer Favorit für den Deutschen Spiele Preis, kommt hingegen nicht so recht in Frage. Dazu ist das Spiel zu trist – auch wenn der Ablauf viele Spieler begeistern kann. „Der Spiele-Jahrgang 2007 ist ein ganz besonderer“, meint Ducksch. Da hat er wohl Recht. Bei der Abstimmung zum Deutschen Spiele Preis gibt es eine ganze Reihe von überaus guten Spielen, die einen Spitzenplatz verdient haben. Doch beim Spiel des Jahres ist wegen des selbst gesetzten Anspruchs, ein sehr breites Publikum erreichen zu wollen, von einem überdurchschnittlich guten Jahrgang nicht viel zu merken.
„Auch Spieler, die einen einfacheren Einstieg ohne lange Regellektüre wünschen, haben 2007 eine umfangreiche Auswahl“, sagt Stefan Ducksch. Mit dieser Aussage geht sicherlich nicht der Kulturgut-Anspruch des Spiels zu Grunde. Auch ich finde, dass ein WÜRFEL BINGO mit seiner fast selbsterklärenden Regel ein gutes Spiel ist. Wer glaubt, die Qualität eines Spiels am quantitativen Umfang der Anleitung messen zu können, irrt sich – in beiden Richtungen.

Aus der Fairplay Nr. 80

Sonntag, 5. August 2007

Mystery Weekends

Das Fata Morgana Team sieht für das Konzept der Mystery Weekends nicht den heimischen Spieletisch vor, sondern lädt an Orte wie das Emmental oder Interlaken ein. Von 1993 bis 2005 wurden elf Fälle aufgeführt. Berichte dieser Fälle können bei Fata Morgana nachgelesen werden: Fata Morgana -> Bisherige Weekends. Das Konzept sieht vor, ein gesamtes Wochenende in einem Hotel zu verbringen. Hier werden die Informationen durch Inszenierungen und verstreute Hinweisen gesammelt, die von bis zu 20 Mitwirkenden nach einem mehr oder weniger festen Drehbuch eingebracht werden. Jeder der bis zu 80 Gäste kann sich dabei nach Belieben einbringen und miträtseln. Durch Ortswahl und Ambiente wird der Live-Rollenspiel-Charakter besonders unterstrichen. Wenn Sie Ihre älteren Fairplays noch von Udos Serie "Zurückgeblättert" griffbereit haben: In Fairplay 38 erschien ein Mystery-Weekend-Erfahrungsbericht.
Für alle, die jetzt neugierig geworden sind, gibt es eine gute Nachricht: Ab November 2007 gibt es einen neuen Fall im Emmental. Wenn Sie vor dem Weiterlesen den obigen Link bereits angeklickt haben, wissen Sie das schon, denn dieser führt auf die Ankündigungsseite von "Mystery im Emmental – Der große Aufschwung".

Nächste Folge: Dinnerkrimi