Sonntag, 25. Mai 2008

Die Beiträge des Vorstandsvorsitzenden

Ja bitte? – Ah, guten Tag Herr Doktor! Wie geht es Ihnen? (Pause) Gut, dass wir uns jetzt endlich einmal persönlich … Ich wollte Sie eigentlich schon immer mal hier bei uns …. Aber Sie wissen ja, wie das ist (Gelächter). Nun jedenfalls, schön, dass Sie Zeit gefunden haben. … Man hat mir gesagt, Sie seien gestern erst von Ihrer Reise nach Schottland zurück …. Wie war es auf der Insel? – Schön … Einen Kaffee? Oder Tee? Hier, darf ich Ihnen dieses englische Gebäck …, das müssen Sie mal probieren. Fantastisch. Hat ein königliches Wappen hinten drauf. Schauen Sie mal (Geraschel). Kommt aus Windsor. Kennen Sie ja bestimmt noch aus den alten Tagen, nicht wahr? Gelächter) – Schön. Also Tee mit Milch und ohne Zucker. Ich sage mal eben meiner Sekretärin, dass Sie uns …. Frau Kruse, (kurze Pause) : Ja also zweimalTeemitMilcheinmalmiteinmalohneZucker … (Pause) Ja, genau. ..Danke. – „Wo waren wir doch gleich? – Also Ich habe Sie hierher gebeten um mit Ihnen über etwas Neues, Innovatives wie wir hier zu sagen pflegen (Gelächter) … Nun ja, eben ein neues Projekt anzugehen. Und da haben wir zunächst einmal an Sie gedacht. Was halten Sie davon, wenn Sie uns mal ein Spiel des Jahres erfinden würden? – Wie? Kein besonderes Interesse? – Aber Herr Doktor, ohne diese Ehrung ist ihr Gesamtwerk doch … nun ja, unvollständig. – Ach, früher da wollten sie wohl, jetzt aber hätten Sie die Lust daran verloren? – Dabei habe ich gedacht, dass jeder Spieleerfinder doch gerne mal das Spiel des Jahres …. Wie? Das hat für Sie keine Bedeutung? –„Ach so, Früher wohl, jetzt nicht mehr. – (Deutliches Ausatmen) Das ist nun aber Schade, denn Ich wollte zunächst Sie fragen, bevor ich mich an den Herrn Dingsda, na, wie heißt er noch gerade…. Genau, der Herr Teu… - Ach, sie könnten sich vorstellen, es doch einmal in Erwägung zu ziehen? Nun, das freut mich aber. Sie wollen sich also mal anhören, was wir uns hier ….. (Geraschel mit Papier) Aber bitte, aber gern. – Nun, Herr Teu …., `tschuldigung, ich meine Herr Doktor, wir hatten uns das so gedacht. … – Warten Sie mal (Geraschel) einen …. Moment… Hier … irgendwo … unter diesen Papieren hier … (Geraschel), da … ist … doch … die … Zusammenfassung …. von … meiner … Entwicklungsabteilung …. (zieh) …. Ah, da ist es ja. – Also, wir haben uns da Folgendes gedacht. Zunächst brauchen wir mal eine schöne Verpackung. Schön groß, aber nicht zu groß. Irgendwie vertraut halt ….– Wie bitte? … Richtig. Auch wir dachten da sofort an diese berühmte quadratische Größe. – Und als Farbe, da haben wir uns ein Grün gedacht, dass …. – Bitte? Grün war schon im letzten Jahr ein Spiel des Jahres? - Sind Sie sich da sicher? Aber meine Entwicklungsabteilung, die hat doch ….. – Ach, warten Sie Herr Doktor. Stimmt. Die schreiben hier was … (Gemurmel) ich lese Ihnen das alles Mal vor: Ein etwas grelleres Grün als das Grün im letzten Jahr würde die Chancen erhöhen und …. Aber das ist jetzt nicht so interessant. … – Jedenfalls grün sollte es sein. Und dazu einen Klecks in Terrakotta im Titel. – Wie bitte? (Pause) … Richtig, ganz meine Meinung. … Terrakotta ist unheimlich angesagt. Hier schauen Sie mal (Ein Stuhl wird gerückt) Herr Doktor, … meine neuen Schuhe hier. Nein, nicht grün (Gelächter) …. aber ganz in Terrakotta. – Aha, Sie tragen also englische Schuhe. – ….von einem Schuhmacher in London …..so, so. – Interessant, und wie zufrieden sind sie mit ihm? – Schön. … Aber noch einmal hier zu der Sache mit unserem Spiel in grün. Wir dachten da an einen unverfänglichen, zeitlosen und irgendwie geschichtsträchtigen Titel. Also meine Entwicklungsabteilung schreibt dazu …. Warten Sie mal…. (viel Geraschel)… Also, hier steht: In den letzten Jahren lief die Strategie unseres Hauses gegenläufig zu den herrschenden Marktbedingungen. Unsere Spiele sind den Marktzyklen in der Regel einen Schritt voraus, wir sind meistens am vorderen Ende der Marktdynamik erfolgreicher als am hinteren. – Vorne erfolgreicher als hinten? (Gelächter) … Erstaunlich, was unsere hoch bezahlten Analysten so alles wissen. … Und dann steht hier noch … Warten Sie, ich lese mal weiter vor …. Auf kurze Sicht können die Neuheiten – vor allem wenn wir einem Markttrend folgen, der die Transaktionen im zyklischen Bereich in ihrer Endphase auf ein exzessives Bewertungsniveau getrieben hat – unter diesem Prozess leiden. – (Pause)

Ah … ja. So ist das also. – Haben Sie sich das auch schon so gedacht Herr Doktor? (Pause) Diese Experten haben hier übrigens noch ein paar Namensvorschläge für das Spiel des Jahres … und die fangen alle mit einem K an. … Das ist ja interessant. Hier steht … (Geraschel) …, das habe ich aus einem Gutachten unseres Verlagspsycholgen. Einganz erstaunlicher Mann übrigens. Der hatte damals die Idee mit dem großen Sonnenuntergang bei diesem roten Spiel. Na, ich komme jetzt nicht auf den Namen …. Na, Sie wissen schon, dieses Dingsspiel das wir jetzt lieber mit Plastik als mit Holz …. Na, jedenfalls schreibt unser Psychologe: … da im Jahr 2008 das „ große K“ die Auszeichnung zum Buchstaben des Jahres bekommen wird, wäre es gut, wenn auch unser Spiel mit einem „K“ beginnen… – Was meinen Sie, Herr Doktor? (Pause) Ja, das mag wohl so sein, dass im letzten Jahr das „große Z“ Buchstabe des Jahres geworden ist. Warum? … Ist das interessant? Ach wirklich? Das Spiel des Jahres 2007 fing mit einem „großen Z“ an? Was war es denn: Zecke? Zaunkönige? Zampano? Oder Zaziki oder (Gelächter) Zimtschnecke? …. Aber Spass beiseite. Jedenfalls wären wir mit einem „K“ doch schon mal ganz weit vorne. – Und unser Psychologe meint, das wir unbedingt einen internationalen Titel wählen sollten weil …. – Ach, Sie interessieren sich für die Titelvorschläge? – Aber bitte , aber gern. Hier wird vorgeschlagen: „Korinth“ …. Aber das scheint doch eher was für die Wahl zur Backware des Jahres zu sein, oder(lautes Gelächter) …. Dann haben die noch „Krypta“ vorgeschlagen. – Was halten Sie davon? (Pause) – Nein, da bin ich durchaus Ihrer Meinung Herr Doktor. Da haben Sie Recht. Mit der ganzen christlichen Symbolik kann man schnell einmal in ein Fettnäpfchen treten. – Hier stehen noch „Kurtisane“, „Kyudo“, „Kalyptra“, „Kawja“, „“Karma“, „Kikumon“, „Klüver“ … Also, Sie sagen einfach mal Stop, wenn Ihnen was gefällt Herr Doktor …. (Gelächter) …. „“Kathakali“, „Keltis“ …. Was? Keltis finden Sie interessant? … Na prima. Ich notiere das schon mal. K ..E..L..T..I..S... (Pause). Ist das nicht ein Bier ohne Umdrehungen (Gelächter) Nein? Das ist was Britisches? So, so …. Dann könnte das doch erst recht was für Sie sein, oder? (Pause) – Und ich könnte mir auch gut vorstellen, das ein oder zwei kleine Forschungsreisen ….. sozusagen auf den Spuren der alten Kelten (Gelächter)…. Nun, wenn Sie den Auftrag doch annehmen würden, dann könnten Sie das gerne mal machen. – Wie das dann mit Spesen sei, wollen Sie wissen Herr Doktor? Ach, da lässt sich bestimmt was machen (leises Gelächter). – Wunderbar, ganz wunderbar. Ich lass dann mal von Frau Kruse unseren Standardvertrag fertigmachen. –„Die Kekse? Aber natürlich. Könnern sie gerne mitnehmen. ….. Ah, Frau Kruse ….. Danke für den Vertrag …. Ja, auf beiden Seiten unterschreiben lassen. ….Frau Kruse, bitte seien Sie doch so nett und packen Sie dem Herrn Doktor noch ein paar von diesen Keksen hier …. ja genau. Danke Frau Kruse. – Nun, Herr Doktor, das freut mich dann aber doch sehr, das nun Sie und nicht der Herr … na, jetzt habe ich den Namen doch schon wieder vergessen …. egal. – Schön. Geben Sie uns dann doch bitte Bescheid sobald Sie das Spiel des Jahres fertig ….. oder haben Sie sonst noch Fragen? Ist noch was unklar? – Wie das Spiel gehen soll, wollen Sie wissen? Na, da sind doch Sie und nicht ich der Experte, nicht wahr (lautes Gelächter). Na, irgendwas halt. Mit Würfel oder mit Spielgeld oder mit diesen sechseckigen kleinen …… pardon? Das würde Ihnen eher nicht zusagen? …. Nein, nein, nein. Das macht doch nichts. Dann eben irgendwie anders. Sie wollen lieber etwas mit Spielkarten? Ja gerne, aber ein schöner Plan zum falten, der sollte schon noch die Schachtel etwas schwerer …. Und Steine wollen Sie dabeihaben? Ach so, mit Spielsteinen. Ich befürchtete schon, dass Sie Kieselsteine … (Gelächter). Also die Spielsteine alle auf die Karten aufgemalt. Eine ganz ausgezeichnete Idee. Machen Sie das. (Pause) Ganz prima. – Ich merke schon, das wird was mit …. (Pause. Geraschel) … „Keltis“. Und, Herr Doktor, vergessen Sie nicht Ihre Kekse hier … (Rauschen).


An dieser Stelle endet die Aufzeichnung. (Aufgeschrieben von Dieter Niehoff)

Mittwoch, 7. Mai 2008

Kakerlakensalat

„Paprika, Tomate, Salat, Blumenkohl.“ So rufen die Spieler bei dem Spiel. Was sich so anhört wie eine Kampagne gegen ungesunde Ernährung wird manchmal jedoch durch den Ruf „Kakerlake“ unterbrochen.
Jeder Spieler hat einen gleich hohen Stapel an weitgehend gesundem Gemüse vor sich liegen. Reihum muss man immer seine oberste Karte aufdecken und diese Karte mit dem korrekten Ruf auf den Ablagestapel werfen. Und das möglichst schnell, denn die Bedenkzeit dauert maximal drei Sekunden.
Bedenkzeit? So schwer ist es doch gar nicht, eine Tomatenkarte abzulegen und dabei „Tomate“ zu rufen. Das stimmt. Aber wenn oben auf dem Ablagestapel bereits eine Tomate liegt, dann ist es verboten, „Tomate“ zu sagen. Dann muss ich beispielsweise „Salat“ sagen. Für meinen Nachfolger ist das jetzt schon doppelt kompliziert: Er darf auf keinen Fall „Tomate“ und auch nicht „Salat“ rufen.
Sobald die erste Kakerlakenkarte ins Spiel kommt, wird das ganze noch mal verschärft. Dann ist das Gemüse auf dieser Karte immer Tabu. Da bleibt manchmal nur noch genau eine Gemüsesorte, die genannt werden darf. Und da kommt der eine oder andere Mitspieler ein wenig ins Stottern – was sofort bestraft wird. Derjenige darf seinen Kartenstapel um die in der Tischmitte liegenden Karten ergänzen. Und da gewinnt, wer zuerst alle Karten abgelegt hat, weiß man, dass ein hoher Kartenstapel ziemlich ungünstig ist.
Außerdem darf man nie vergessen, dass man – falls möglich – die Wahrheit sagen muss. „Du sollst doch nicht lügen“, spotten die Mitspieler, wenn ich das nahe Liegende vergessen habe.
KAKERLAKENSALAT ist tolles flottes Kartenspiel, das überhaupt nicht so kindlich ist, wie es die Altersangabe „ab 6“ suggeriert. Sondern es ist ein vollwertiges Erwachsenenspiel, das manch Einen an den Rande seiner Konzentrationsfähigkeit bringt. Deswegen hat es gute Chancen auf den Deutschen Kinderspiele Preis – weil es das Kinderspiel ist, das Erwachsene am liebsten spielen.
Besonders gut spielt es sich in voller Sechs-Personen-Besetzung. Nur sollte man es nicht allzu oft spielen. Denn Übung kann schnell zu einer gewissen Langeweile führen. Schließlich muss auch mal ein Fehler gemacht werden.

KAKERLAKENSALAT von Jacques Zeimet für 2–6 Spieler, Drei Magier 2007
www.dreimagier.de

Wundersamer Kakerlakensalat

Es gibt Dinge, die sind schwerlich erklärbar. Warum interessiert sich die FAIRPLAY für das kleine KAKERLAKENSALAT mehr als für alle anderen Spiele? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Ist es nur redaktionelle Schlamperei oder hat es einen tieferen Sinn?
Drei Autoren haben sich bislang des bei Drei Magier erschienenen Kartenspiels angenommen. Herbert Heller kommentierte in seiner Neuheitenvorstellung im Heft 82 die „fast unausweichlichen spielerischen Karriere eines niedlichen Haustieres“ mit den Worten „Jetzt haben wir den Salat“. Peter Neugebauer schrieb in seiner Rezension, dass das Spiel sowohl in Bierlaune als auch in geselliger Runde „sehr viel Spaß“ mache. Und in dem Messebericht der FAIRPLAY 83 gestand Andreas Mutschke, dass KAKERLAKENSALAT zwar ein witziges Reaktionsspiel, aber nichts für ihn sei.
Wir werden KAKERLAKENSALAT weiter im Auge behalten und hier in loser Folge noch die eine oder andere Besprechung dieses Spiels veröffentlichen. Damit wirklich jeder FAIRPLAY-Autor die Chance hat, sich zu diesem Spiel zu äußern … ;-)