Montag, 30. Juni 2008

Knizia verpasst das Spiel des Jahres

Reiner Knizia hat den womöglich größten Tag seines Lebens verpasst. Jahrzehntelang war es ihm, trotz häufiger Favoritenrolle, nicht gelungen, die Spiel-des-Jahres-Auszeichnung zu erringen. Dann klappt es auf einen Schlag gleich zweimal: Nicht nur sein KELTIS, sondern auch das Kinderspiel des Jahres WER WAR’S? bekommen den wichtigsten Spielepreis der Welt. Und Knizia steckt auf der Rückreise von einer Veranstaltung in Illinois auf dem Flughafen von Washington fest. Stattdessen dürfen sich die Verlagsgeschäftsführer von Kosmos und Ravensburger über die Lobeshymnen der Jury auf der Pressekonferenz in Berlin freuen.

Wobei die Auszeichnung für KELTIS tatsächlich eine handfeste Überraschung war, mit der die wenigsten gerechnet haben. Selbst manche Jurymitglieder schienen von dem in geheimer Wahl ermittelten Sieger überrascht. Allerdings war die Spitze des Spielejahrgangs auch sehr breit – ein zwingendes Highlight, das als eindeutiger Favorit für das Spiel des Jahres galt, fehlte. Der zwischenzeitliche Favorit STONE AGE wurde schließlich doch mehrheitlich als zu wenig zugänglich erkannt, und scheiterte. Auch WIE VERHEXT spielte zwar schön, aber nicht effektiv genug. Und SULEIKA war thematisch absurd und zu seicht. So blieb am Ende womöglich nur noch das mit einer Außenseiterchance gestartete BLOX. Doch dann lieber KELTIS …

(Foto: Jury-Chef Stefan Ducksch und Kosmos-Geschäftsführer Axel Meffert, der ein erstes Interview gibt.)

Einen ausführlichen Kommentar zur Spiel-des-Jahres-Preisverleihung finden Sie in der FAIRPLAY 84, die am 12. Juli erscheinen wird.

Sonntag, 22. Juni 2008

Kakerlakensalat, die zweite

Bonjour, mesdames et messieurs! Isch eiße sie erzlich willkommen in meinem Kochstudio. eute werden wir einen schmackhaften salade cafard, einen KAKERLAKENSALAT, zubereiten. Dazu benötigen wir einfach eine kleine Kiste mit 128 Karten darin. Auf diesen Karten sehen Sie die Zutaten für unseren grandiosen Salade: Paprika, Salat, Tomate, Blumenkohl und Kakerlaken. Diese teilen wir schön gleichmäßig unter den diversen Köchen auf (2–6 an der Zahl). Nun nimmt jeder seinen verdeckten Stapel und deckt nacheinander eine Karte auf und benennt die Zutat, die er unseren errlichen Salade hinzufügt. Allerdings möchten wir natürlisch einen richtig schönen gemischten Salade aben, daher wollen wir keine Zutat doppelt aben. Falls jemand doch eine Tomate zu einer Tomate legt, muss er sich mit einer klitzekleinen Notlüge beelfen und beauptet, dies ist eine Paprika. Nun darf der nächste Koch keinesfalls eine Paprika erwähnen. Sie sollten auch nischt zu langsam den Salade zubereiten, der Frische wegen. Sollte jemand zögern, etwas Falsches sagen, rumdrucksen, wird das mit Aufnehmen aller Zutaten des Salades bestraft und wir beginnen wieder unseren deliziösen Salade fertig zu stellen. Wer zuerst alle seine Zutaten los ist, wird zum Maitre de cuisine für einen Abend ernannt. Da aben wir doch glatt die cafards vergessen, die Kakerlaken. Unser Salade soll ja proteinreich werden. Wenn Sie solsch eine Karte aufdecken, dürfen Sie die abgebildete Zutat nischt mehr erwähnen, bis eine neue Kakerlakenkarte erscheint, c'est ca.
Mir at das Zubereiten dieses Salades sehr viel Spaß bereitet, und wer glaubt, Übung macht den Meister, at recht. Aber dann spielen Sie es einfach auf Französisch oder Englisch.

KAKERLAKENSALAT von Jacques Zeimet für 2–6 Spieler, Drei Magier 2007

Sonntag, 1. Juni 2008

Fünf mal nominiert: Spiel des Jahres 08

Die Jury hat nominiert. Fünf Spiele, allesamt im Frühjahr anlässlich der Nürnberger Spielwarenmesse erschienen, sind es geworden – und der Streit, ob es die richtigen sind, bleibt aus. Denn dem Spielejahrgang fehlen die zwingenden Highlights, die man unbedingt auf einer Nominierungsliste sehen möchte (Ausnahme: STONE AGE).

Die Hits der Essener Spiel ’07 erscheinen zumeist zu komplex, um ein breiteres Publikum erreichen zu können. Zumal sich die Jury bei dem Überflieger AGRICOLA geschickt aus der Affäre gezogen hat. Nach CAYLUS wird zum zweiten Mal ein Sonderpreis Komplexes Spiel verliehen.

Außerdem wurden mit GALAXY TRUCKER und IM JAHR DES DRACHEN zwei weitere überdurchschnittlich anspruchsvolle Titel mit einem Platz auf der Empfehlungsliste bedacht. Hingegen fehlt TRIBUN, der Sieger der FAIRPLAY-Scout-Aktion.

Auf der anderen Seite des Spektrums wurden zwei Kinder-Kartenspiele mit einem Platz auf der Erwachsenen-Empfehlungsliste geadelt: Der FAIRPLAY-Liebling KAKERLAKENSALAT und PINGU PARTY.

Die fünf Nominierungen der Spiel-des-Jahres-Jury im Einzelnen:

SULEIKA ist bildhübsch anzuschauen und bietet den leichtesten Einstieg. Wenn die Jury nur auf hohe Umsatzzahlen spekulieren würde, wäre die Entscheidung klar. Nachteil: Für langfristigen Spielspaß an langen Abenden ist der spielerische Gehalt zu dünn.

KELTIS ist ein einfaches Kartenspiel mit raffinierter Brettspielergänzung, ist locker zu spielen und schon nach einer halben Stunde zu Ende. Nachteil: Es ist ein abstraktes Spiel.

BLOX. Nachteil: das Spiel ist noch abstrakter. Ansonsten ist es ein interessantes Spiel, bei dem taktischer Tiefgang gegenüber dem Kartenglück überwiegt.

WIE VERHEXT ist ein ungewöhnliches Kartenspiel, interaktiv und mit Ärgerpotenzial. Nachteil: die teils längeren Kartentexte erschweren die Zugänglichkeit. Was für das Spiel spricht: Endlich würde mal ein Kartenspiel prämiert. Und Alea sowie Redakteur Stefan Brück hätten es wahrlich verdient.

STONE AGE ist zweifelsohne ein gutes Spiel, das sowohl grafisch als auch im Ablauf an DIE SÄULEN DER ERDE erinnert. Nachteil: Acht Seiten Regel und die anfangs zweistündige Spieldauer stellen für unerfahrene Spielerinnen und Spieler eine hohe Hürde da.

Am 30. Juni wird der Sieger aus diesen fünf Nominierungen in Berlin bekannt gegeben.

Eingehende Rezensionen aller fünf Spiele finden sich in der FAIRPLAY 84, die am 12. Juli erscheinen wird.