Sonntag, 27. Juli 2008

Spurensuche: Rudi Hoffmann

Am 18. Juli ist Rudi Hoffmann im Alter von 83 Jahren verstorben. Es ist zwar schon etwas her, dass Rudi Hoffmann mit seinen Spielen die Welt bereicherte, aber viele seiner Spiele haben Spuren hinterlassen. CAFE INTERNATIONAL als Spiel des Jahres und neuerdings sein altes MAESTRO, jetzt LITTLE AMADEUS, dürften aktuell noch in jedermanns Gedächtnis sein. Sein Werk ist umfangreich und besonders seine Grafiken verdienen Erinnerung und Anerkennung. Die knuddeligen Männchen, die eher einfachen, dafür umso eingängigeren Spiele, all dies begründete seinen ausgezeichneten Ruf. Auf einem Sammlertreffen bei den Spieltagen in Essen wurde sein Werk umfassend gewürdigt. Zwei Spiele, die ich vor allem mit Rudi Hoffmann verbinde, sind allerdings nie wirklich nachhaltig in die Welt der Spieler eingedrungen. Schade eigentlich, denn sein SCHÜTZENFEST und auch sein SILBERDOLLAR kommen in meinen Spielrunden immer noch gerne auf den Tisch. Beides sind wunderbare Kartenspiele, schnell erklärt und auch schnell gespielt.

Unser Beileid gilt seiner Frau und seinen beiden Kindern.

SCHÜTZENFEST


Dass dieses Spiel in erster Linie wegen seiner Grafik und seines Themas bei uns so lange überlebte, wurde mir erst klar, als F.X. Schmid dieses Spiel mit Lehrerthema als HALLO PAUKER! neu veröffentlichte. Es machte einfach keinen Spaß. Nur mit den Schützen auf die Scheiben zu schießen, einen Blattschuss zu landen, das ist der Witz bei diesem Spiel. Und es ist ultraeinfach, denn die einzige „Schwierigkeit“ besteht darin, nachzuhalten wie viele Zehnerkarten schon aus dem Spiel sind. Der kleinste Kartenwert ist wichtig, denn man darf stückeln ... und kann nur mit einer 10 und einer 30 eine 40er-Scheibe „erlegen“.
Die oberste Scheibenkarte wird aufgedeckt, deren Werte schwanken zwischen 10 und 100. Eine wertvolle 100 kann man stückeln, aber nur die 10 passt eben zur 10. Oder man schießt an und überlässt dem nächsten Spieler den Schuss auf die Scheibe. Hat er noch den geforderten Wert oder nicht? Wer nicht mehr bedienen kann, ist raus und erhält zu seinen Pluspunkten („erlegte“ Scheiben) so viele Minuspunkte wie er Schützenkarten auf der Hand hat. Timing ist alles, und natürlich Kartenglück. Mit den beiden 100er-Schützen und sonst kaum 10ern kommt man nicht weit, Minuspunkte (sehr viele!) sind dann vorprogrammiert. Macht aber gar nix, in der nächsten Runde kann man sich ja wieder verbessern ... oder auch nicht. Dieses kleine feine SCHÜTZENFEST hat all die Jahre überlebt und ist mir das liebste aller Rudi Hoffmann Spiele.

SILBER DOLLAR

Ich spiele ja kein SKAT – mangels Mitspielern und weil SKAT eines dieser einmaligen Spiele ist. Man spielt SKAT und auf gar keinen Fall noch etwas anderes. So wie man SCHACH, GO oder auch DOPPELKOPF alleinig spielt.
Da kommt mir SILBER DOLLAR mit Westernthema gerade recht. Dieses Stichspiel funktioniert wie SKAT, allerdings ohne Reizen. Wer immer die Karte mit dem Silberdollar in seinem Blatt findet, spielt allein gegen die beiden anderen. Ist er im Stock, spielt jeder gegen jeden.
Entweder „drüber“ – mit den hohen Karten – oder „drunter“ – mit den niedrigen Karten als beste Karten. Vorab nimmt der Silberdollar-Spieler allerdings noch zwei Karten vom Stock auf und drückt auch wieder zwei unbrauchbare weg. Der Silberdollar ist in jedem Fall die beste Karte, damit macht man immer einen Stich. Von der hohen 7 (der Govenor) ist nur eine Karte im Spiel, von den Pistoleros mit dem Wert eins hingegen sieben. Diese ungleiche Kartenverteilung macht SILBER DOLLAR etwas tricky, zumal man wie bei DOPPELKOPF noch eine Karte – Jesse James (Wert 3) – durchbringen sollte. Jesse James zählt nämlich wie der Silberdollar satte 10 Punkte. Das Spiel ist trotz aller Einfachheit nicht ohne, was irgendwie typisch für Rudi Hoffmanns Spiele ist. Erst wenn man mal „drunter“ gespielt hat, weiß man um den Reiz von SILBER DOLLAR.

SCHÜTZENFEST für 3 oder 4 Personen von Pelikan,1975
SILBER DOLLAR für 3 Personen von Berliner Spielkarten, das Erscheinungsjahr wird verschwiegen, liegt aber bestimmt in den Siebzigern

Mittwoch, 9. Juli 2008

Fairplay 84 · Juli–September 2008

Die Fairplay Nr. 84 erscheint am Samstag, 12. Juli 2008.

Der Inhalt

Spiel des Jahres Knizia siegt doppelt … und verpasst den Tag seines Lebens

Spielertagebuch Spiele Vergleichsweise(n)

Rückblick Fairplay Nr. 4

Wiederspielen 1994 – Kaleidos

Wir über uns Peter Zanow

Spielekritiken

Anno 1701 Kosmos
Blox Ravensburger
Cartagena Goldinsel Winning Moves
Change Horses Eggert
Dino Detektive Amigo
Graffiti Huch & Friends
Indiana Jones Clementoni
Keltis Kosmos
Metropolys Ystari
Race for the Galaxy Abacus
Stone Age Hans im Glück
Suleika Zoch
Tammany Hall Stratamax
Toledo Kosmos
Vineta Winning Moves
Warrior Knights Fantasy Flight
Wie verhext Alea
Zug um Zug Kartenspiel Days of Wonder

Fast Food
Aquaretto Abacus
Days of the Fox Fantasy Flight
Drachen Wurf Schmidt
Länderkenner Kallmeyer

Kartenspiele
My Friends Tigger & Pooh Cartamundi
Quick Kosmos

Dienstag, 1. Juli 2008

Harald Schrapers in der Jury "Kinderspiel des Jahres"

Die ganze Spieleszene schaut auf KELTIS und WER WAR'S. Die ganze? Nein, eine kleine Randnotiz lenkt die Aufmerksamkeit seiner FAIRPLAY-Kollegen auf eine andere Nachricht: Harald Schrapers nimmt im Beirat der Jury "Kinderspiel des Jahres" den Platz von Andrea Bischhoff ein. Diese verlässt den Beirat nach der regulären Zeit von drei Jahren.
Müssen wir Fairplayer uns jetzt Sorgen um Harald machen? Ist die FAIRPLAY etwa allen entgegengesetzten Anstrengungen zum Trotz hoffähig geworden?! Nein, es ist wohl mehr das Ergebnis jahrelangen, kompetenten Engagements in diesem Bereich. Haralds SPIELPLATZ mit Besprechungen von Kinderspielen hat seit vielen Ausgaben seinen Stammplatz in der FAIRPLAY. Zwei eigene Kinder sorgen für Testpublikum im eigenen Hause. Das sind beste Voraussetzungen. Herzlichen Glückwunsch, Harald!

Udo tickt die News

Wie sieht eine Live-Ticker auf der anderen Seite aus? So wie der Ex-Fairplayer Udo Bartsch. Hier beginnt er gerade seine Arbeit um 10:11 mit einem „Hallo und herzlich willkommen“. Als Jury-Neuling darf er der gespannten Spieleszene via Internet den Sieger des bedeutendsten Spielepreises der Welt brühwarm mitteilen. Noch weiß Udo Bartsch selbst nicht, welches Spiel gewinnen wird. Auch er hat seine Stimme geheim abgegeben – das Ergebnis wartet in einem verschlossenen Umschlag. Zwanzig Minuten später beginnt die Pressekonferenz.

Um 10:45 schreibt Bartsch, dass Reiner Knizias WER WAR’S? den Kinderspiele-Preis gewonnen habe. Ab jetzt wird die Veranstaltung ein klein wenig verlangsamt, in der Hoffnung, dass Knizia selbst es womöglich noch schaffen könnte, rechtszeitig bis zum Ende der Pressekonferenz anzukommen. Dass dies doppelt wichtig ist, wissen zu diesem Zeitpunkt weder Udo Bartsch noch die anderen Juroren.

Um 11:05 notiert Bartsch die zweifache Knizia-Überraschung: „Das Spiel des Jahres ist KELTIS.“ Schon eine Minute vorher habe Jury-Sprecher Ducksch gesagt, dass es eine der spannendsten Wahlen jemals gewesen sei. Ob auch Udo Bartsch überrascht ist, lässt er sich im Live-Ticker nicht anmerken. Er verabschiedet sich um 11:12 und beendet damit sein erstes Jahr in der Jury.