Montag, 17. Dezember 2012

Editorial 102

Bonjour mes amis

Nein, Sie lesen nicht das Programmheft des deutsch/französischen Fernsehprogramms Arte. Ich habe nur gerade mit einem Kollegen telefoniert und das färbt etwas ab. Dieser Bursche war im Sommer in Frankreich, und seitdem überfällt er eigentlich alle mit einem französischen Wortschwall, wobei ich irgendwie das Gefühl habe, dass da nicht jeder Laut wirklich einem französischen Wort entspricht. Das war allerdings einmal in Essen sehr witzig, als ein echter Franzose an unserem Stand auftauchte. Da lief der Kollege zu Hochform auf. Der Besucher war so überrascht, dass er gleich mehrere Schritte zurück trat. Eindeutig ein Fluchtreflex. Über Ostern fährt der Kollege übrigens gerne in die Niederlande und anschließend dürfen wir uns an holländischen Wortkaskaden erfreuen. Das ist auch nicht wirklich schöner.
Aber so hat jeder seine Päckchen zu tragen. Apropos Päckchen. Wie groß waren denn ihre Taschen, die Sie aus den Messehallen in Essen schleppten? Das Neuheitenangebot war ja wieder mal unüberschaubar. Und etwas ältere Spiele gab es auch reichlich zu stark reduzierten Preisen. Als ich das erste Mal durch die Hallen ging, hatte ich plötzlich den alten Hit von Gus Backus im Kopf: „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt. Wer hat soviel Pinke Pinke, wer hat soviel Geld.“
Das war aber offensichtlich das falsche Lied, denn die schwer bepackten Besucher lassen vermuten, dass genügend Pinke vorhanden war. Schwer beeindrucken mich da ja immer wieder die Besucher, die sich mit Sackkarren, Koffern oder rollenden Kisten durch die Massen zwängen. Kann ein Messebesuch tatsächlich ein kleinwenig Spaß machen, wenn man den ganzen Tag einen Schrankkoffer hinter sich herziehen muss?
„Wer soll das bezahlen...“ ist auch beim aktuellsten Trend, dem sogenannten Crowdfunding, die falsche Frage. Denn hier bezahlt der Kunde und zwar vorab. Und bei einer attraktiven Präsentation im Netz gibt es ja auch noch die Chance, dass die gewünschte Kapitalspritze deutlich überschritten wird, wie zum Beispiel bei ESCAPE von Queen. Klar, der Verlag muss dann auch mehr Geld für die ausgelobten Bonusgeschenke ausgeben, aber unter dem Strich dürfte ein sattes Plus stehen, bevor das erste Spiel produziert wird. Und wenn das Spiel dann richtig gut ist und sich verkauft wie geschnittenes Brot, profitieren nicht die Crowdfunder, sondern wieder nur der Verlag und der Autor. Crowdfunding erscheint mir für Verlage, die das Instrument richtig nutzen können, wie eine Art Gottesgeschenk.
Es überrascht mich allerdings etwas, dass so viele Spieler ihr Geld in Crowdfunding investieren. Klar, auch in Essen werden Spiele verbindlich vorbestellt, weil sie limitiert, nummeriert oder sonstwie erstrebenswert erscheinen. Aber der Spieler zahlt am Stand und bekommt sofort sein Spiel. Nur die Qualität des Schachtelinhalts ist dann noch die berühmte Katze im Sack. Beim Crowdfunding hat die Katze auch noch eine beträchtliche Lieferzeit. Ist das wirklich attraktiv? Oder sind die ausgelobten Zugaben so verlockend? Warum investiert man da nicht eher in eine der erschienenen Neuheiten, wo die Katze durch Testspiele, Erfahrungsberichte, Rezensionen oder auch unsere Scoutnoten zumindest schon die Konturen eines Gesichts hat?
Nun gut, ich muss nicht alles verstehen. Und manche der angebotenen Optionen sind tatsächlich bemerkenswert. So bot ein Projektinitiator auf Kickstarter.com für einen Dollar die Option an, dass er nach dem erfolgreichen Abschluss auf jeden edlen Spender einen Schluck trinken würde. Etliche Investoren hatten da schon investiert. Das ist beeindruckend. Also wenn mir mal jemand einen Rausch finanzieren möchte, senden sie ruhig auch größere Summen auf das Konto unseres Magazins. Das Internet brauchen wir da nicht. Den Kickstarter und etliche Nachfolger vernichte ich dann persönlich in einer gemütlichen Kneipe.
In diesem Sinne
Ihr Harry

p.s. Und natürlich wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen prächtigen Rutsch.

Freitag, 14. Dezember 2012

Fairplay 102 - Januar bis März 2013

Fairplay 102 erscheint am Montag, den 17. Dezember 2012

Der Inhalt

Reportagen und Kommentare
  • Essen 2012: Kurzvorstellungen und Geheimtipps, Messeeindrücke, Kommentar Scoutaktion, Scout Noten, Verlosung
  • À la carte Spielepreis
  • www.ritterheere.de
Kritiken
  • KippX
  • Der Hobbit
  • Saint Malo
  • Frigiti und Funstir
  • Terra Mystica
  • Seasons
  • Escape
  • Die Legenden von Andor
  • Suburbia
  • Al Rashid
  • String Railways
Rubriken
  • Editorial 
  • Inhaltsverzeichnis 
  • Rückblick: Fairplay 23
  • Jeux de Deux: Moeraki Kemu, Agricola - Die Bauern und das liebe Vieh sowie Mehr Ställe für das liebe Vieh, Nachtrag Drako
  • Spielplatz: Wettstreit im Hexenwald, Kleine Fotosafari
  • Fastfood: Alba Longa, Qwixx, Sheepland, 10 Tage durch Deutschland
  • à la carte: We Will Wok You, Meins!, Siberia - Kartenspiel, Höchste Eisenbahn, Taboos, Di Renjie, Der Herr der Ringe - das Kartenspiel
  • ausSCHACHtungen
  • Wir spielen gern ... 
  • Preisrätsel 
  • Bestenliste 
  • Noten