Donnerstag, 22. Dezember 2016

Editorial 118

Liebe Leserinnen und Leser,

Ach, jetzt ein Edi zu schreiben, fällt mir schwer. Vielleicht haben Sie es ja schon mitbekommen: In der Woche nach Essen ist unser Chef Herbert Heller nach langem Krebsleiden verstorben. Das reißt schon eine tiefe Lücke in unser Team, auch wenn Herbert schon geraume Zeit keine Rezension oder Kommentare mehr beigesteuert hat und nur noch selten, schließlich gar nicht mehr in der Öffentlichkeit erschienen ist. Herbert war und bleibt immer die gute Seele der Redaktion. Seine Ratschläge werden fehlen. Irgendwie ist dieses Jahr ziemlich verkorkst. So viele Todesfälle, das lässt selbst ein altes Schlachtross wie mich nicht unberührt. Einige alte und jüngere Weggefährten haben für Herbert Nachrufe geschrieben. Diese Anteilnahme ist gut, macht aber den Verlust nur umso deutlicher. Außerdem sind jetzt einige Entscheidungen zu treffen, wie es weitergehen soll.

Und natürlich geht und ging es weiter. Die Messe in Essen war wie immer business as usual. Routinierte Vorbereitungen, routinierter Standaufbau … alles so wie immer. Nur dass Essen diesmal noch größer, noch bunter und auch noch voller wurde. Ich dachte schon am Donnerstag, es sei Samstag. Kaum mehr ein Durchkommen, besonders natürlich in den Hallen 1, 2 und 3. Aber die Hallen 4, 6 und 7 waren gut gefüllt. Ich bin da jeden Gang abgelaufen. So viele neue Spiele habe ich mein Lebtag noch nicht zu sehen bekommen. Liegt es an mir oder an der schieren Masse an Spielen, dass ich in der nächsten Standreihe schon längst vergessen habe, welche Spiele, welche Verlage ich in der vorherigen Reihe gesehen habe. Alles sah irgendwie gleich aus, kaum mehr Unterschiede in der optischen Präsentation, alles so perfekt.

Gerade in den Hallen hinter der Galeria war es sehr international. Gerade die Stände dort wurden von Spielern aus aller Herren Länder besucht. Für viele Nationalitäten waren diese Hallen quasi eine Landesmesse in der großen Messe, ganz ohne Sprachbarriere. Mir erscheint es seit dem Wechsel in die neuen Hallen so, als wenn sich die Internationalen Spieletage immer mehr fragmentierten. Je nach Nationalität oder nach spielerischen Vorlieben findet sich für jeden seine mehr oder minder große oder kleine Auswahl an passenden Verlagen in bestimmten Hallen.

Dass unserer Scout-Aktion bei etlichen kleinen aber auch größeren ausländischen Verlagen immer noch gänzlich unbekannt ist, wundert mich … dann doch fast kein bisschen. Kennen diese Verlage die deutsche Spieleszene und unser Magazin gar nicht? Müssen wir dort mehr PR machen? Könnten das nicht auch unsere Scouts erledigen? Mit speziellen Kappen: Ich bin ein Fairplay-Scout! Yeah!!! Die deutsche Szene macht nur noch einen Teil der Messe aus. Fraglich, ob das noch der größere oder schon der kleinere Teil ist. Ich meine hier nur die Szene, nicht das Familienspielerpublikum von Samstag oder Sonntag. Und so richtig vermischen sich die Nationalitäten nur an einzelnen Ständen, ansonsten gibt’s Lokalisierungen für aller Herren Länder. Die Auflage wird von vornherein mit Beteiligung von internationalen Verlagen geplant. Warum sollte also noch ein Engländer oder Amerikaner zu Hans im Glück gehen, wenn deren Spiele zeitgleich bei ihren einheimischen Verlagen erscheinen?

Und da habe ich das Edi endlich im Kasten, da erreicht mich noch eine Todesnachricht. Was ist das nur für ein Jahr! Jetzt ist auch noch Reiner Müller gestorben, einer der Wegbereiter der deutschen Spieleszene. Er hat ganz entscheidende Weichen gestellt, die unsere Spielkultur maßgeblich in die richtige Richtung gelenkt haben. Bei Ass hat er schon vor Jahrzehnten erste Lokalisierungen vorgenommen und amerikanische Spiele wie JUNTA nach Deutschland geholt. Reiner Müller war in den ersten Jahren der Spielbox deren Chefredakteur und hat mit TM bei Kosmos DIE SIEDLER VON CATAN betreut. Mehr ist gar nicht zu sagen, um den Verlust zu beschreiben.

Trotzdem frohe und besinnliche Weihnachtstage, viele Spiele, wenig Essen!

Ihr Harry

Montag, 12. Dezember 2016

Fairplay 118 - Januar bis März 2017

Reportagen und Berichte
  • Nachruf Herbert Heller
  • Messefondue mit First Food
    Scoutkommentar 2016
    Fairplay Scoutnoten 2016
    À la Carte 2016: 7 Wonders Duel - mit Autoren
  • Deutscher Spielepreis 2016
  • Mombasa - auch mit Autoren
Kritiken
  • Great Western Trail
  • Fabelsaft
  • Star Wars Rebellion
  • Terraforming Mars
  • Kanagawa
  • Perditions Mouth
  • Cottage Garden
  • Viticulture
  • Flamme Rouge
Interviews
  • Messeblickwinkel: Tony Boydell, Petra, Christian Hildenbrand, Steph & Ron, Morten Monrad Pedersen, Gabi
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • First Food: First Class, Papa Paolo, Ein Fest für Odin, Railroad Revolution, Scythe, Die Kolonisten, Ulm, Klask, Codenames Pictures, Kingdomino, Mystic Vale, Weltausstellung 1893, Rhodes
  • Fast Food: Das allerbeste Baumhaus, Costa Rica, Acht-Minuten-Imperium Legenden
  • Rückblick Fairplay 39
  • Kinderportion: Der mysteriöse Wald, Hi Fisch!
  • à la carte: Fladeranti, Sleeping Queens, Perlentaucher, Take That, Brave Rats, Dolores
     Wir spielen gern ...
  • Preisrätsel: Grenzenlos
  • Bestenliste
  • Noten

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Unser Chef ist tot

Nicht, dass Herbert es jemals groß heraushängen ließ, aber für uns Fairplayer war er unser Chef. Er war es einfach. Noch in jeder Redaktionsdiskussion sorgte Herbert für Ausgleich, inhaltlich und menschlich. Jeder kam zu seinem Recht, jede Position wurde erwogen und für alle das Beste erreicht. Mit seiner Menschlichkeit und seinem spielerischen Sachverstand stand Herbert immer auf festem Grund, selbst an spielerischen Abgründen. Mit ihm zusammen umschifften wir so manche Klippe.

Souverän trennte Herbert die Spreu vom Weizen. Nur gute Spiele verdienen eine positive Rezension. Schlechte Spiele verdienen es ebenso, mit klaren Worten und guten Gründen sorgfältig zerlegt zu werden. Herbert konnte diese Art Rezensionen schreiben wie kein Zweiter. Auch kleine, feine Hammer haben an den richtigen Stellen ordentlich Kraft. Und wenn es ein grober Hammer sein musste, dann hat er auch grob gearbeitet, nicht ohne ironisches Augenzwinkern.

Ich würde Herbert als undogmatischen Spieler bezeichnen, der mit jeder Art religiöser Verehrung von Spielen nichts anfangen konnte. Spiele sind keine Heiligtümer. Ob Spiele ein Kulturgut sind, habe ich mit ihm nie klären können. Das war Herbert alles zu hoch aufgehängt. Spielen war für ihn Spaß und intellektuelle Herausforderung. Sieg oder Niederlage waren für Herbert trotzdem auch das Ergebnis von Glück, nicht von geistiger Überlegenheit.

Jedes Spiel bekam bei ihm eine Chance. Ganz besonders liebte Herbert Eisenbahn- und Rennspiele. Da war er mit besonderem Einsatz, aber nie mit Übereifer dabei, spielte souverän aus dem Bauch … und gewann natürlich. Naja … sehr oft. Herbert liebte die fluffigen, eleganten Spiele, die genügend Flow aus Thema und Mechanik erzeugten. Gleisbau, Eisenbahngesellschaften und deren Aktienkapital waren sein Metier, da spielte Herbert uns alle in Grund und Boden. Und trotzdem war immer eine menschliche Atmosphäre rund um den Spieltisch. Nie hat er nachgekartet oder Züge rückgängig machen wollen.

Für uns war Herbert richtungsweisend, ein verlässlicher wie menschlicher Ratgeber und immer ein Vorbild als Rezensent. Wir vermissen ihn. Sein Tod hat eine große Lücke in unsere Redaktion gerissen. Ich vermisse ihn ganz besonders als liebenswerten Mitspieler beim Montagsspielen.

Am 21.10.2016, nur vier Tage nach seinem 61. Geburtstag hat uns Herbert Heller nach langer Krankheit viel zu früh verlassen. Wir trauern mit seiner Familie um unseren guten Freund.

Unser alter Mitstreiter Udo Bartsch hat auf seinem Blog ebenfalls einen Nachruf verfasst.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Aktuelle Tweets von der Spiel '16

In folgender Timeline twittern Wolfgang Friebe und ich von der Messe. Natürlich spätestens ab Freitag mit Zwischenergebnissen von der Scoutaktion. Am Sonntag Nachmittag gibt es das Endergebnis.
           
           
         

Montag, 10. Oktober 2016

À la Carte Preis 2016: 7 Wonders Duel

Unsere Wahlfrauen und -männer haben entschieden:

Den Titel À la Carte 2016 gewinnt 7 Wonders Duel.

Fünf Jahre danach ...
... ist die Zeit reif für den kleinen Bruder von 7 WONDERS. Wer hätte gedacht, dass "Drafting" auch zu zweit funktioniert und trotzdem noch diese gewisse Spieltiefe bietet, die schon 7 WONDERS ausgzeichnet hat. Zusätzlich bietet 7 WONDERS DUEL noch die Option auf einen vorzeitigen Spielsieg: Entweder mit militärischer Übermacht und durch Forschung und Fortschritt.

Wie schon beim Deutschen Spiele Preis muss sich das ansonsten hochgelobte CODENAMES mit dem zweiten Platz begnügen. Dass DIE HOLDE ISOLDE, wenn auch mit deutlichem Abstand, auf den dritten Platz landet, ist sicher eine Überraschung.

  1. Antoine Bauza und Bruno Cathala: 7 WONDERS DUEL bei Repos
  2. Vlaada Chvátil: CODENAMES bei CGE
  3. Nicolas Poncin: DIE HOLDE ISOLDE bei Schmidt Spiele
  4. Alexander Pfister: OH MY GOODS/ROYAL GOODS bei Lookout Games
  5. Jacques Zeimet: DIE FIESEN 7 bei Drei Hasen in der Abendsonne
  6. Alexandr Ushan: AGENT UNDERCOVER bei Piatnik
  7. Stefan Feld: DIE BURGEN VON BURGUND KARTENSPIEL bei alea
  8. Jun Sasaki: KOBAYAKAWA bei Heidelberger
  9. Christoph Behre und Reinhard Staupe: 3 SIND EINE ZUVIEL! bei Amigo
  10. Johannes Schmidauer-König: DIE PORTALE VON MOLTHAR bei Amigo
Wir gratulieren allen platzierten Autoren und Verlagen und wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, viel Spaß beim Kartenspielen!

Mittwoch, 28. September 2016

Editorial 117


Liebe Leserinnen und Leser,

Verdammt! Ist es wirklich wieder schon so spät? Die lnternationalen Spieletage in Essen stehen gänzlich unvermutet wieder vor der Tür?! Ist der Spielejahrgang wirklich schon durch? Als Printmedium haben wir für die aktuellen Messeneuheiten einen zu langen Vorlauf … manchmal auch nicht.

lst doch jedes Jahr derselbe Rhythmus. Mit dieser Nummer ist der Kehraus fällig. Und in meinem Stall stellt sich wie jedes Jahr die Frage: Womit füllen wir jetzt noch unser Heft? Alle Toppspiele sind längst besprochen, alles erwähnt und kritisiert. Wir haben für Sie wieder alles zusammengekehrt, was noch übrig geblieben ist. Stopp! So geht's ja nicht. Erstaunlicherweise finden sich immer noch ein paar gute Spiele, die uns tatsächlich bislang durch die Lappen gegangen sind. Gut, dass meine Knechte den Jahrgang im Blick haben. Wir haben die Lücken dann doch noch auf den letzten Drücker füllen können. Mensch, wir sind doch verdammt profffesssionelll.

Ach, die Jury hat ja auch gesprochen. Das Ergebnis hat mich dann doch überrascht, und das sogar doppelt. Ich hatte fest damit gerechnet, das PANDEMIC LEGACY oder zumindest T.l.M.E STORIES den grauen Pöppel gewinnen würde. Und natürlich, dass Haba als Newcomer im Bereich jenseits von Kinderspielen ebenfalls für ARUBA ausgezeichnet wird. War wohl nix. Die Glückwünsche gehen an die Macher von CODENAMES und ISLE OF SKYE. Wenn Sie jetzt fragen, welcher Titel davon den roten und welcher den grauen Pöppel erhalten hat, finden Sie sich in guter Gesellschaft. Nämlich in meiner. Ob das eine nun den roten und das andere Spiel den grauen Pöppel gewinnt, macht für mich dieses Jahr so gar keinen Unterschied. Für mich altes Pferd ist ISLE OF SKYE eher ein rotes und CODENAMES eher ein graues Spiel.

Wächst wieder zusammen, was einst getrennt werden sollte? Wo ist denn bitte dieses Jahr die Trennlinie? Ich vermag es nicht zu erkennen, denn beide Spiele bewegen sich auf Kennerniveau. Für die Familie ist beides eher anspruchsvolle Kost, wobei ISLE OF SKYE immerhin noch bewährten Pfaden folgt. So ein Legespiel kennt man ja irgendwie.

Die Frage für den nächsten Jahrgang lautet also: Gibt es demnächst wieder zwei Kennerspiele für das längst nicht mehr separierte Spielevolk. Tom Felder als Vorsitzender der Jury hat zwischen Spielen für „alle Leute“ und für „Menschen, die schon etwas erfahrener im Erlernen und in der Anwendung von Spielregeln“ sind, differenziert. Es geht nicht mehr um die bislang beschworene Familie. Alle Leute sind alle Leute, da ist keine Abstufung beim Anspruch mehr erforderlich. Rot ist das neue Grau. Allerdings ist bei der Wahl der beiden Preisträger wohl entscheidend, in welchen Kreisen sich die Jury bewegt und in welchem Milieu deren Alltag spielt.

Im Internetzeitalter hält uns Google maßgeblich in einer Blase, der man, ohne sich dessen bewusst zu werden, nur schwer entrinnen kann. Egal, wonach man sucht, Google weiß schon, was wir mögen. Man bekommt Ähnliches vorgesetzt, weil es doch viel schöner ist, seine Meinung und Vorlieben bestärkt zu bekommen. Ist das vielleicht auch ein Prozess, der in der Jury abläuft? Sind da nicht zu viele Vielspieler vereint? Zu viele akademische Männer, die mittlerweile von und durch die Szene beeinflusst werden? Spielen nicht sowieso überproportional viele Akademiker Gesellschaftsspiele? Ich denke schon, wobei diese Szene traditionell eher zu anspruchsvoller Kost neigt.

Die Messe in Essen dürfte wieder von Spielen auf diesem Niveau wimmeln. In unserer Scout-Aktion wird diese Vorliebe bislang zuverlässig abgebildet. Wir leben also allesamt in der sich selbst bestärkenden Blase, dass anspruchsvolle Spiele auch gute Spiele sind. Sind sie meistens, ist ja unbestritten. Aber manches Mal sollten wir über den Tellerrand blicken. Mal ohne Vorurteile mit nicht so erfahrenen Spieler spielen, deren geringe Ansprüche ernst nehmen, sie nicht mit seitenlangen Regeln erschlagen … Wer macht das schon? Ich weiß, das ist anstrengend. Aber ich weiß auch, wer das macht. Verlage, die für den - für uns eher negativ belegten - Massenmarkt produzieren, sind darauf angewiesen, die Ansprüche der Gesellschaft als Ganzes zu bedienen. Leute - Gesellschaft sind nicht nur wir Vielspieler!


Wir sehen uns in Essen


Ihr Harry


p.s.: Unsere Scout-Aktion läuft wieder, bitte denken Sie an lhren Scout-Ausweis.

Donnerstag, 15. September 2016

Fairplay 117 - Oktober bis Dezember 2016

Reportagen

  • Spielagon
  • Heiße Luft oder frischer Wind? Wolfgang Friebe und Kathrin Nos ergründen, was am Hype von PANDEMIC LEGACY und T.I.M.E STORIES wirklich dran ist.
  • Das freie Elektron: Der französische Autor Roberto Fraga im Porträt
  • Nachruf: Harald Bilz

Kritiken

  • Iki
  • Yeti
  • Via Nebula
  • Leo muss zum Friseur
  • Stronghold
  • Aya
  • 504
  • Completto
  • They come unseen
  • Skull King Würfelspiel
  • Roll for the Galaxy
  • Tumult Royal und Schmuggler

Interviews

  • Maria Kühne über spielagon.de
  • Thomas Fedder über 504
  • Matthias Karl übers Skull King Würfelspiel

Rubriken

  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Nachschlag: Das Goldene Zeitalter - Kulte & Kulturen, Colt Express - Postkutsche & Pferde, Dominion Abenteuer
  • Aufgewärmt: Alles im Eimer, Agricola - Familienversion
  • Jeux de Deux: Bohnanza - Das Duell
  • Fast Food: Crazy Time, Star Wars Risiko, Kerala, Lichterfest, Sifaka, Asterix & Obelix - das große
  • Abenteuer, Halt mal kurz, Qwinto
  • à la carte: Elements, Pingvasion, Cards, Royal Goods / Oh my Goods, Broom Service - Das Kartenspiel
  • ausSCHACHtungen
  • Rückblick: Fairplay 38
  • Preisrätsel: Die wunderbare Welt der Schwerkraft
  • Wir spielen gern ...
  • Bestenliste
  • Noten

Mittwoch, 6. Juli 2016

Editorial 116

Liebe Abstimmerinnen und Abstimmer,

die Jury muss noch ihren finalen Job machen, wenn Sie dieses Heft in Händen halten. Hier zu schreiben, welches Spiel gewinnt, wäre vermessen. Darüber zu spekulieren, macht natürlich besonders viel Spaß. Peter Nos hat schon die Chancen der nominierten Spiele analysiert. Ich habe natürlich auch eine Meinung und orakel gerne mit. Also wenn Sie mich fragen täten, welches Spiel gewinnt, dann sag ich hier nix! Ich bin Profi, will doch die liebe Jury nicht beeinflussen.

Immer wenn Mutmaßungen ins Kraut schießen, weiß ich wieder: Der Jahrgang ist gelaufen. Oh, hab' ich das nicht auch schon vor einem Jahr geschrieben? Ach, ist doch herrlich, wenn das Spielejahr seinem ganz eigenen Rhythmus folgt. Ich kann mich jetzt zurücklehnen und mich auf die kommenden Neuheiten freuen. Moment, erstens müssen wir vor Essen noch eine Ausgabe erstellen, außerdem müssen Sie ja noch für den Deutschen Spielepreis anbstimmen. Wie immer finden Sie Ihre persönliche Abstimmkarte im Heft. Internet-Nativ-Spieler stimmen online ab. Das ist schneller, ist aber längst nicht so schön, als wenn man sich in Ruhe mit einem Stift in der Hand überlegt, welche Spiele man notiert.


Was würden Sie wählen? PANDEMIC LEGACY ist bei boardgamegeek seit Eintritt in die Charts auf Platz 1 hochgeschossen. Als bestes Spiel überhaupt, als bestes thematisches Spiel und als bestes Strategiespiel. Beeindruckend. Die meisten geben diesem Spiel 8, 9 und 10 Punkte. Wenn das nicht ein Hype ist!? Die User von boardgamegeek sind eben nicht normal verteilt.

Ich frage mich allerdings, ob da nicht ein bisschen Fiktion im Spiel ist, der Glaube, dass es unheimlich viel Spaß macht, PANDEMIC LEGACY zu spielen, wenn man es denn bis zum Ende spielen könnte. In meiner Runde haben wir es nicht zu Ende gespielt. Die Terminabsprache machte es einfach zu schwierig, um kontinuierlich am Ball zu bleiben. Außerdem packte einen Mitspieler doch arge Unlust, immer wieder fast dieselben Probleme zu lösen. Aber PANDEMIC LEGACY wird es dieses Jahr machen, weil alle es einfach gerne spielen wollen würden, wenn sie es können könnten.
Und noch ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert: Als ich noch jung in der Szene war, ich die seelige Pöppel-Revue als erstes Szene-Magazin überhaupt in Händen hielt, habe ich abgestimmt:

Beim Goldenen Pöppel. War ja so was wie der Vorläufer des Deutschen Spielepreises. Und weil die DIE 1. MILLION von Hexagames in der Pöppel-Revue so super wegkam, habe ich das auch auf meine Abstimmkarte geschrieben. Ohne es ein Mal gespielt zu haben und nur weil die mir bekannten Altvorderen bereits dessen Vorläufer MONAD in der 3M-Mini-Kassette so geil fanden. Ich hab' nur für dafür gestimmt, weil ich die um ihr 3M-Spiel beneidet habe, so wie ich heute all die beneide, die PANDEMIC LEGACY zu Ende gespielt haben. Wer hat's zu Ende gespielt?

Trotz, dass ich ein paar Monatsrunden gespielt habe und trotz allen Neids würde ich heute nicht für PANDEMIC LEGACY stimmen, sorry! Wenn ich dieses Spiel anfange, dann weiß ich, dass ich das auch mit denselben Leuten zu Ende spielen muss. Ich kann's nicht mit anderen weiterspielen, mein angefangenes PANDEMIC LEGACY kann ich im Prinzip wegschmeißen.

Besser dann T.I.M.E-STORIES, da hat das Spielen derselben Story in zwei Gruppen bereits geklappt. Ich musste mir zwar mit der zweiten Gruppe so manches Mal auf die Zunge beißen, aber es ging … mit nur ein ganz klein wenig mogeln. Kann man aber wirklich nur machen, wenn man sich wirklich zurück hält. Dann haben wenigstens noch die Mitspieler Spaß, tauchen in die Geschichte ein. Da habe ich dann sogar als Wissender Vergnügen, zumal ich mit meiner ersten Runde gescheitert bin.
Wissen Sie jetzt, was Sie wählen werden? Die üblichen Verdächtigen aus den üblichen Verlagen?Wie wär's mal mit DIE UNÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN? Basteln Sie sich doch mal 100 Fotokarten mit Spielecovern drauf, dazu noch passende Fragen à la „Würde ich mit meiner Schwiegermutter spielen“ oder „Kann ich nur mit Fairplay-Abonnenten spielen“ oder „Gewinnt den Deutschen Spielepreis.“

Jetzt dürfen Sie selbst abstimmen.

Ihr Harry

Montag, 27. Juni 2016

Fairplay 116 - Juli bis September 2016

Reportagen und Kommentare

  • Spiel des Jahres 2016
  • Gewürfelt wird immer: Justice League Hero Dice, Im Schatten von Gotham City, Kribbeln, Speed Dice, Römisch Pokern
  • Der Roman von Andor: Das Lied des Königs
  • Martin Wallace
  • Nachruf: Fritz Gruber, Ingo Laubvogel

Kritiken

  • Dynasties
  • Imperial Assault
  • Krazy Wordz
  • Signorie
  • Inhabit the Earth
  • Imhotep
  • Happy Birthday
  • Ships
  • Champignons of Midgard
  • Haspelknecht
  • Pandemic Legacy: Season 1
  • Quadropolis
  • Oben und Unten
  • Sheriff von Nottingham
  • Böhmische Dörfer

Interview

  • Oliver Igelhaut über Igelspiele

Rubriken

  • Editorial
  • Rückblick: Fairplay 37
  • Nachschlag: Heckmeck Extrawurm, Drecksau Sauschön
  • Jeux de Deux: 7 Wonders - Duel, Die Legenden von Andor - Chada & Thorn
  • Jugend Spielt: Magic: The Gathering
  • Fast Food: Baby Blues, The Last Spike, Die Burgen von Burgund - das Kartenspiel, Animals on Board, My Village, Top 12
  • Kinderportion: Burg Flatterstein, Wunschmaschine, Mein Schatz, myroodis
  • Wir spielen gern ...
  • Aufgewärmt: Die Holde Isolde
  • à la carte: Kobayakawa, Die Portale von Molthar, Pi mal Pflaumen, DREIst!, Games of Trains
  • Preisrätsel: Puzzles zum Spielen
  • Bestenliste
  • Noten

Freitag, 1. April 2016

Fairplay geht auf Youtube

Fairplay macht Videos, aber noch nicht jetzt. Meine Knechte finden doch immer Gründe, warum es nicht geht: Keine Kamera, kein Studio mit vernünftigem Licht, kein Konzept und überhaupt! Es gäbe doch schon so viele andere Profis. Erst soll ich für die Ausrüstung sorgen, dann, ja dann, wären die Knechte bereit, vor die Kamera zu treten.

Also das mit dem Studio ist doch kein Problem. In meinem Stall ist es immer hell, besonders hell natürlich draußen auf der Weide.

Nur die Kamera?! Nur das beste Modell wollen sie haben, mindestens eine JVC GY-HM200E. Das fordern die, echt!? Wie soll ich armes Pferd denn 2500 € auftreiben? Jeder, der auf mich Rennesel wettet, ist doch verloren. Bei meiner Außenseiterquote!

Was soll ich nur machen? Meine Knechten sollen endlich Youtuber werden. Da kann ja nicht so old fashioned weitergehen!

Wir haben doch so an die 3677 Rezensionen aus 115 Heften auf Vorrat. Die lassen sich doch verwerten. Genau – bei Amazon!

So, ihr lieben Knechte: Ab sofort wird täglich unter meinem Namen für die nächsten 10 Jahre eine Rezension bei Amazon eingestellt. Das hat zwei Vorteile:

Ich habe endlich die Übersicht, welche Spiele wir schon bewertet haben. Bei so vielen Spielen weiß ich doch gar nicht mehr, was wer über welches Spiel geschrieben hat.

Und Amazon macht mich dann bestimmt zum Vine-Rezensenten. Dann kann ich mir endlich kostenlos eine Kamera und entsprechendes Equipment auswählen. Logisch schreibe ich darüber eine Rezi. Da bin ich Profi, da kenne ich mich aus.

Montag, 21. März 2016

Editorial 115

Liebe Freundinnen und Freunde,

Herzlich Willkommen zur Neuausgabe von „Wie ich die Welt sehe.“ Klar, ich habe meine ganz persönliche Brille auf, eines aber ist deutlich zu erkennen: Unsere heile Spielewelt hat sich stark verändert. Sie ist schließlich längst groß, vielfältiger, aber auch ein wenig rau geworden. Unsere Spielewelt hat sich Jahr um Jahr weiter über den Globus ausgedehnt, was gewisse Veränderung bewirkt. Aus aller Herren Länder kommen neue Spiele, neue Verlage und neue Mitspieler. Und alle haben so ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Spielen, ihren eigenen Blick auf Spiele und Spieler.

Was ja per se ziemlich gut ist. Manches Spiel ist immer noch Mainstream, andere nur für bestimmte Zielgruppen gemacht. Auf jeden Fall gilt: Für jeden ist etwas dabei. Was ist es für Sie? Welche Art Spiele bevorzugen Sie? Nicht, dass ich darauf jetzt eine Antwort erwarte, denn Geschmack ändert sich, so wie die Umstände ändern: Zeit, Spielekreise, Familienstand … noch mehr!? Davon hängt ab, ob man Cosims, Strategiespiele … oder eher die einfachen Spiele bevorzugt, sich über oder auf dem Level der grauen, roten oder blauen Auszeichnungen der Jury bewegt. Die Jury ist da wirklich ein guter Maßstab für den eigenen Standort, wo man sich selbst in der Szene sieht.

Natürlich berücksichtigen wir diese unterschiedlichen Geschmäcker in der Fairplay, bewegen uns mit unserem Magazin schon immer auf oder oberhalb des Niveaus der Jury. Aber seien wir ehrlich, bestimmte Arten von Spielen kommen auch bei uns nie oder nur sehr selten vor. Cosims sind schon seit jeher – jedenfalls bei uns in „Merry old Germany“ – eher das Lieblingskind einer sehr speziellen Spielergattung. Manchmal schreibt jemand unserer Mitarbeiter darüber, wenn es dessen Umstände zulassen. Die Redaktion hält sich dann gerne zurück. Ich würde sowas ja auch spielen, aber Cosims sind eher „einmalige“ Spiele. Wie SCHACH oder GO oder DOPPELKOPF … die nur intensiv spielt, wer dafür feste Mitspieler hat und sonst auf nix anderes Lust verspürt. Das ist dann doch nix für mich.
Meine Knechte und ich sind da eher wie Reisende, die hier und dort möglichst gut spielen wollen. Wir reisen umher, sind deshalb irgendwie auch unstet. Selten, dass wir länger bei einem Spiel verweilen. Zu reizvoll ist das Neue, was von überall her auf uns hereinströmt. Wie von einem guten Reiseführer erwarte ich auch von den Tipps guter Freunde lohnende Hinweise, was in der Spielewelt an interessanten Sachen geboten werden. Wohin geht die Reise, was ist dort toll? Wir erkunden natürlich oft auf eigene Faust die Spielewelt, mitunter erleiden wir sogar Schiffbruch. Unsere Erfahrungen und Tipps teilen wir gerne mit Ihnen.

Ich bin tatsächlich immer noch skeptisch, was Bewertungen aus Online-Portalen angeht. Was weiß denn ich, wer da aus welcher Motivation was zeigt oder schreibt. Vine-Rezensionen bei amazon oder Product Placement auf youtube fördern nicht gerade die Glaubwürdigkeit des Netzes. Oder muss man das nur zu nehmen wissen?

Ach ja: Raue Spielwelt. Im Netz geht es ja des Öfteren recht unangenehm zu, weil die Diskussionen mitunter hart und sehr persönlich geführt werden. Irgendwo steht immer einer auf, dem dies oder das so nicht passt. Dann gilt nur, was zu der eigenen Peergroup passt oder eigene Befindlichkeiten nicht tangiert. Leider ist der Maßstab im Netz oft verschoben. Man sollte schon mal hinterfragen, wo man steht und welchen Anspruch man hat. Und ob der Blick nicht doch durch die eigene Brille verengt wird. Deshalb sollte man sich auch nicht gleich jeden Schuh anziehen, der einem offensichtlich oder nur vermeintlich passt. Womöglich denkt dann doch wer, dass er passgenau sitzt.

Und noch was fällt auf: Die Szene untergliedert sich immer mehr. Für jede Zielgruppe gibt’s irgendwo einen Kristallisationspunkt. Wenn man weiß wo, findet man seine ganz eigene Heimat unter Gleichgesinnten. Oder weiß zumindest, wo man ganz gewiss nicht hingehört. Im Netz wird schließlich stark gesiebt. Ob das gut ist? Nur sollte man nicht glauben, dass es außerhalb des eigenen Dunstkreises nicht auch schätzenswerte Meinungen gibt. Ein bisschen Toleranz täte uns allen ganz gut. Und auch ein gemeinsamer Kristallisationspunkt wäre toll. Für die englischsprachige Welt gibt’s das ja bereits. Auf boardgamegeek ist der Umgang bei allen Abstrichen eher verbindend als kleinstaaterisch deutsch.

In diesem Sinne

Ihr Harry

Dienstag, 15. März 2016

Fairplay 115 - April bis Juli

Der Inhalt:

Reportagen

  • Nürnberg 2016
  • Haba im Fokus, Teil 1: Spookies, Karuba, Abenteuerland
Kritiken
  • Willkommen im Dungeon
  • Celestia
  • Steam Time
  • Vergleich: Die Piraten der 7 Weltmeere und Rattle
  • Battle, Grab the Loot
  • Schatzjäger
  • Alte Dunkle Dinge
  • Shakespeare
  • Domus Domini
  • Lignum
  • Galaxy Defenders
  • Nippon
  • Legends

Interviews
  • Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko über Piraten der 7 Weltmeere, Rattle, Battle, Grab the Loot
  • Moritz Brunnhofer über Carcassonne - Über Stock und Stein
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Leserbrief
  • Nachschlag: Carcassonne - Über Stock und Stein
  • Rückblick: Fairplay 36
  • Jeux de Deux: Starfighter
  • Kinderportion: myFibo, Stone Age Junior, Rumms!, Nitro Glyxerol
  • à la carte: Sarkophag, Dao, Teamplay, Life is Life, Sirenen in Sicht
  • ausSCHACHtungen: For the Crown
  • Preisrätsel: Japanische Zahlenmauern
  • Wir spielen gern ...
  • Bestenliste
  • Noten