Montag, 31. Juli 2017

Rückblick: Fairplay 41

Früher war mehr Lametta. Klar! Logo! Bestimmt? Wenn ich an die Spiele in dieser Fairplay denke, dann bleibt so gar kein Lametta. Was waren das damals nur für Zeiten?! Mit wie wenig wir damals ausgekommen sind. Einzig Robert Abbotts GENIUS RULES, Neuauflage von ELEUSIS, hätte heute noch Bestand, gerade weil es eine hübsche Herausforderung ist. Wer zieht aus den ausliegenden Karten die richtigen Schlüsse und erkennt die Regel aus dem Muster? Könnte ich mir zeitgemäß ausgestattet heute noch gut vorstellen.

FRISCHFISCH von Friedemann Friese hat mir damals sehr gut gefallen. Davon gibt’s eine zweite und eine dritte Auflage, die hat 2F-Spiele wieder selbst verlegt. Was soll ich lange um den heißen Brei rumschreiben: Ist bei mir total durchgefallen. Die Optik ist so dermaßen bescheiden, wie das Spiel sich so merkwürdig um die Ecke spielt. Und das fand ich mal gut?! Hätte ich eigentlich schon damals nicht gut finden dürfen. Helmut Wresnik, damals noch Jury-Mitglied und an der Uni Graz im Institut für Geometrie tätig, hat mir haarklein auseinandergesetzt, warum FRISCHFISCH aus topologischen Gründen kaputt sei. Ich hab’s damals nicht verstanden, weil ich das Spiel ziemlich toll fand. Lag sicher nur daran, dass ich eine Seltenheit ergattert hatte. Wahrscheinlich hatte Helmut Wresnik kein FRISCHFISCH mehr bekommen. Ätsch...

Ansonsten wimmelt es nur so von mittelmäßigen Spielen. Sogar Nachläufer des Sammelkartenbooms haben es ins Heft geschafft. Einzig NETRUNNER scheint es heute als Living Card Game noch zu geben. Und Herbert drischt so richtig auf MISSISSIPPI QUEEN ein. Seine Abrechnung mit dem Spiel des Jahres '97 gilt noch immer.

Und erstmals wurde ein ganz spezielles Pferderennen als Brettspiel umgesetzt … von jenem Herren, der heute mit seinem Verlag fest im Sattel sitzt und den GREAT WESTERN TRAIL reitet. Was hat Peter Eggert zusammen mit seinem Team so alles geschafft?! Sein DUHNER WATTRENNEN ist eher ein Spiel für Sammler. Jeder fängt mal klein an, und die Hürden waren längst nicht so hoch wie heute.

Der 41 hat ein Fragebogen beigelegen. Wir wollten von unseren Leserinnen und Lesern „was“ wissen. Was, weiß ich gar nicht mehr so genau. Nur, dass wir lange darum diskutiert haben, was und vor allem wie wir fragen. Hat vielleicht noch jemand den Fragebogen? Würd‘ mich ja mal interessieren!

Unsere Messeberichte standen in der Umfrage wohl besonders im Fokus. Was haben wir darüber diskutiert. Messeberichte als reine Beschreibungstexte ohne kleinste Einschätzungen sind schon gruselig zu schreiben, aber noch viel gruseliger zu lesen. Jeder, der sowas lesen oder schreiben muss, darf nicht auf mein Bedauern hoffen. Aber wie viele Jahre sind dann noch ins Land gegangen, bis wir den Messebericht inhaltlich und im Umfang tatsächlich reformiert haben? Einige Kollegen sahen in ihm immer ein Archiv aller erschienenen Spiele. Und deshalb musste der Messebericht so bleiben wie er war. Heutzutage kann ich darüber nur lachen, wie vermessen dieser Ansatz war. Immerhin, so viel sei verraten, haben wir dann Harrys Konterfei benutzt, um interessante Spiele im Messebericht hervorzuheben. Sein Doppel-Konterfei sogar für vermeintlich besonders gute Spiele.

Und wie viel Fleißarbeit hat unser Chef damals wohl in den Index für die Hefte 1 bis 41 gesteckt? Den hat Harry angekündigt, aber ist es nur bei der Ankündigung geblieben? Ich kann mich jedenfalls nur daran erinnern, dass ein Index bis zur Ausgabe 21 erschienen ist. Oder hat den jemand den angekündigten Index zu Hause? Ach was soll's, unsere Artikel hat dann Knut-Michael Wolf in seinen spielefindex.de eingetragen. Bis März 2005 hat er den im Alleingang gepflegt und der funktioniert immer noch. (Anmerkung der Redaktion: Kurz nach Drucklegung des Heftes funktioniert der spielefindex leider nicht mehr). Haben wir dafür jemals gedankt? Falls nicht, dann jetzt: Vielen Dank für deine Fleißarbeit.

Wolfgang Friebe

Herbert im Heft 41

... über das Spiel des Jahres (sic): „Kann man mit einem gut verpackten spielerischen Bißchen in Zukunft wieder mit Hilfe der Jury groß absahnen?“


Zum Spielefindex bitte hier entlang:

Hallo Wolfgang,

danke für die Erwähnung des spielefindex. Der dumme Zufall will, dass ich die Domain spielefindex.de gekündigt hatte und die Kündigung gerade vor wenigen Wochen wirksam geworden ist. Der Findex ist jetzt nur noch über meine private Domain erreichbar: www.kmws.de/findex. Die Auswahl nach Zeitschriften funktioniert auch nicht mehr, weil ich das Skript nicht an die neue PHP-Version angepasst habe. Was aber noch funktioniert, ist die Suche nach einzelnen Spielen. Und wenn man in der Stichwort-Suche ein % (Prozentzeichen) einträgt, bekommt man den kompletten Index angezeigt.

Als ich die Aktualisierung des Index vor 12 Jahren eingestellt habe, gab's keinerlei Resonanz. Was zeigt, dass das Dings wohl hauptsächlich meiner eigenen Befriedigung diente ;-)

Fröhliche Grüße

Freitag, 21. Juli 2017

Editorial 120

Liebe Leserinnen und Leser,

was für ein Glück, es ist nichts passiert. Still ruht der See … Ich fand es schon ziemlich traurig, hier in mehreren Edis Weggefährten zu verabschieden. Ich weiß, das ist der Gang der Dinge, schließlich altert die altbekannte Szene. Zum Glück gibt’s genügend Fohlen auf der Wiese, so dass nicht zu befürchten ist, dass unsere Spielwiese irgendwann leer ist.

Und die reale Welt, was ist mit der nur aktuell los? Gut, dass wir unsere eigenen Welten haben. Wir können den Mars terraformen, wir können auf dem Great Western Trail reiten oder aber über die Nordsee schippern, um die Klöster und Festungen unserer Nachbarn ordentlich zu plündern. Aha, die böse Welt gibt’s auch im Spiel … schon ewig, also kein Grund zur Aufregung. Nun hat sogar die einzig wahre Jury der bösen Welt Einlass gewährt. Aber wen kümmert das schon?! Da draußen, außerhalb meines Stalles, jenseits unserer Spielwiese geht’s so kurios rund wie schon ewig nicht mehr. Wie schön wär's, wenn wir alle an einem Strang und alle Karren aus dem Dreck ziehen würden und friedlich miteinander umgingen. Aber die Weltuntergangsapologeten sind allerorten an entscheidende Stellen gewählt worden.

Ist schon länger her, da hatte ich einen ganz verantwortungsvollen Posten inne. Ich war der Chefhengst, hatte alle anderen bis auf eine Stute platt gemacht. Ich war der Größte, der Schönste, der … Chef der Junta. Eben jener JUNTA aus dem gleichnamigen Spiel. Ich war der Held meines Stalles. Ich fühlte mich sofort great, großartig, unbesiegbar. Warum sollte ich Heu und Futtermöhren mit irgendwem teilen? Die Herde lag unter meinen Hufen. Nach jedem Putsch landen unliebsame Konkurrenten irgendwann doch vor dem Stall, wenn nicht sogar beim Abdecker. Weg mit den Verbündeten!


Und warum entrüstete sich meine Herde über die Zwangsläufigkeit meines konkludenten Handelns? Macht man doch so … in jedem Stall der Welt. Warum fallen all die Loser über mich her? The winner takes doch alles. Außerdem ist JUNTA doch nur ein Spiel … das ich dann am Ende mit Pauken und Trompeten verloren habe. Kriegte einfach kein' Huf mehr auf den Boden.
Was ich damit sagen will: Nach dieser Partie JUNTA war ich unten durch, so unten durch wie lange nicht und sogar noch länger. Ich weiß jetzt: Man muss nicht alles tun, was möglich ist. Diplomatie ist alles, gerade wenn man auf die Herde als Mitspieler angewiesen ist. Hat verdammt lange gebraucht, bis ich mein Image aus dieser einen Partie wieder los geworden bin. Aber es soll in der Welt jenseits unserer überschaubaren Spielwiese Hengste geben, denen das völlig egal ist. Diese Hengste haben offensichtlich vergessen, dass eine Leitstute in der Herde die Hosen an hat.

In Spielekreisen erlebe ich manchmal, dass Mitspieler zu Mistspielern mutieren. Und das nicht nur als Tippfehler. Es gibt da so Menschen, die schaffen es einfach, immer die fiesesten Züge zu machen und das auch noch entsprechend zu kommentieren. Ist doch möglich, alles ganz legal. Klar, aber man muss ja nicht noch sarkastische Sprüche bringen, den Finger noch extra in die Wunde legen.

Wer spielt schon gerne mit Mitspielern, die auch noch nachkarten oder Züge zurücknehmen wollen? Oder naiv heraus posaunen: „Och, diese Regel kannte ich aber nicht!“ Die ewig nachdenken müssen, um das allerletzte Siegpünktchen aus dem Spiel zu quetschen? Die nur verlieren, weil alle gegen sie sind. So ein Verhalten schaue ich mir nur ein Mal an, dann bleibt für Mistspieler nur noch der Platz auf dem … unser aller Pferdeäppel landen. Außer natürlich, ich mach' das selbst. Ich darf das ...
Jedes halbwegs gut erzogene Pferd erkennt, dass Rüpelei und rücksichtsloses Agieren durchaus negative Langwirkungen hat. Irgendwann steht man isoliert da und wird sich möglicherweise brüllend bei seiner Mama beschweren: „Mit mir will keiner mehr spielen!“ Und dass sich ein Idiot selbst als Idiot wahrnimmt, kommt ja leider selten genug vor. Eigentlich darf man damit auch erst gar nicht rechnen.

Genug gemosert. Ich hab' begriffen, dass es ohne Rücksicht gar nicht geht. Ich spiele weiter, mit allen Pferdchen der Herde … in meinem netten kleinen Stall hier. Ich muss ja auch noch ein paar Spiele spielen, denn die Abstimmung zum Deutschen Spiele Preis läuft noch bis zum 31. Juli. Die Postkarte im Heft haben Sie natürlich schon gesehen, ausgefüllt und zurück geschickt. Nur für den Fall, dass Sie ein Jungfohlen sind. Es geht auch übers Internet.

Ihr einzig wahrer Ex-Junta-Chef

Hold On Harry

Samstag, 8. Juli 2017

Fairplay 120 - Juli bis September 2017

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