Donnerstag, 3. Januar 2019

Blöde Kuh - aus der FP126

Bei BLÖDE KUH ist der Titel schon spaßig. Einerseits erinnert er an das Kinderspiel BLINDE KUH (hat damit aber nichts zu tun), glänzt dann auch noch durch eine wirklich blöde Kuh auf dem Cover und hat einen kinderleichten Rhythmus, der immer und immer wieder Freude generiert, weil mehrere Schwarze-Peter die Runde machen.

Im Stapel mit 72 Karten befinden sich gleichmäßig verteilt dumme Schafe, nichtsahnende Schweine, überrascht dreinblickende Pferde und halt eben blöde Kühe. Diese Karten haben keinen Wert, so dass es letztendlich nur vier verschiedene Kartenarten gibt. Neun hält jeder zu Beginn auf der Hand und Ziel ist es, seine Kartenhand leer zu spielen und die noch ins Spiel kommenden Störkarten möglichst zu meiden.

Die Zugoptionen sind einfach. Entweder wird eine Einzelkarte gespielt: Das Schaf hat keine Funktion, das Schwein zwingt den nächsten eine Karte zu ziehen, das Pferd lässt eine Einzelkarte zum Nachbarn wandern und bei der blöden Kuh muss man selber eine Karte nachziehen. Pfeffer und Spaß kommt ins Spiel, wenn ein Pärchen gelegt wird. Jetzt wird eine Sonderkarte dieses Tiers vor den linken Nachbarn gelegt. Diese hat einen Minuswert aufgedruckt und man möchte sie loswerden und auf keinen Fall am Ende halten. Deshalb ist fast jeder geneigt, sie sofort weiterzureichen, indem ebenfalls ein Pärchen dieses Tiers gespielt wird. Da es nur vier verschiedene Tierkarten gibt, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass man sogleich selber dieses Kuckucksei weiterreicht. Man möge aber nicht überrascht sein, wenn dies Schand-Karte sogleich eine ganz Runde durchläuft und wieder beim Ursprungsbesitzer landet. Das ist dann wirklich richtig lustig und wird am Tisch durch Lachen quittiert. Wer etwas klug ist, schickt „seinen“ Schwarzen Peter gar nicht weiter sondern lässt das andere Spieler erledigen, die früher oder später dann doch noch einen Zwilling dieser Art legen. Nur dumm, dass zu jeder der vier Tierarten so eine „Will-keiner-haben“-Karte im Umlauf ist. Wenn jemand mehrere dieser Karten vor sich hat, muss er davon ausgehen, dass irgendetwas dann leider doch hängen bleibt.

Damit nicht genug. Es gibt noch ein zweites Dilemma: Wenn ein Spieler seine Kartenhand leer gespielt hat, bekommt der Spieler mit den meisten verbliebenen Handkarten satte Minuszähler und auch der Zweitschlechteste muss noch Strafpunkte akzeptieren. Deshalb ist eigentlich jeder geneigt, Pärchen zu spielen (reduziert die Kartenhand schneller) als Einzelkarten zu legen (generiert eventuell Minuspunkte bei Spielende). Aber aus spieltaktischen Gründen ist das Legen von Einzelkarten durchaus angesagt, wenn man nämlich eine Strafkarte ins eigene Revier (oder bedrohlich nahe heran) holen würde. Und es gibt noch einen schönen Effekt, der für Verblüffung sorgt (gerade bei Neulingen). Wer als letzte Karte eine blöde Kuh spielt, glaubt, das Rundenende herbeigeführt zu haben. Falsch, denn er muss selber eine Strafkarte ziehen und bleibt noch im Geschehen. Das ist schon lustig. Überwiegend glücksbetont ist dieses Kartenlegen aber keinesfalls. Da es ja nur vier verschiedene Kartenarten (Tiere) gibt, hat jeder eine vergleichbare Kartenverteilung auf der Hand. Aus und mit dieser gilt es, das Beste herauszuholen. Da muss jeder bei seinem Zug neu Entscheidungen treffen. Einen vorbestimmten Spielrhythmus gibt es nicht.
Insgesamt drei Durchgänge werden gespielt. Die Minuspunkte für die einzelnen Stör-Tiere steigern sich von Runde zu Runde, so dass sich am Ende noch etwas verschieben kann. Alle Minuszähler werden mit entsprechenden Karten gesammelt – aufschreiben braucht man nichts. Das Spiel hat schöne neue Momente (Pärchen statt Einzelkarten zu spielen, Reduzierung auf lediglich vier verschiedene Kartenbilder ohne Werte!), ist schnell gelernt und sollte genau so schnell gespielt werden (bitte nicht grübeln, lieber intuitiv Karten legen). Florian Racky ist als Autor ja kein Unbekannter mehr und der Neuling Florian Biege hat einfühlsam illustriert. Ich wage zu behaupten, dass sich die Drei Hasen in der Abendsonne ein Spiel mit Potential zum Klassier an Land gezogen haben.

(pen)

BLÖDE KUH von Florian Racky, Illustrationen von Florian Biege, Drei Hasen in der Abendsonne, 3-6 Spieler ab 8 Jahren, Dauer ca. 20 Minuten





Montag, 24. Dezember 2018

Editorial 126

Liebe Leserinnen und Leser,

Ich hab erst gar nicht versucht, alles abzulaufen. Geht ja eigentlich auch längst schon nicht mehr. Die Internationalen Spieletage wachsen und wachsen, die Wege werden länger und länger und gleichzeitig die Gänge voller und voller. Besonders voll war's aber wirklich in der Galeria, da bin nicht nur ich öfter ganz langsam voran gekommen. Dichtestes Gedränge. Ich sage nur: Die Gänge müssen breiter, besonders in der Galeria. Aber das wird Dominique Metzler sicherlich schon überlegen. Sie lief mit ihrem Team über die Messe und hielt nach solchen Engpässen Aussschau. Und ab und an sogar an unserem Stand. Da war dann sogar hinter unserer Theke Gedränge.

Der Engpass bei uns am Stand ist der Messe auch aufgefallen. Es stehen doch immer eine Menge Menschen vor unseren kleinen Scoutzettel, die an der Ecke zum Längsgang auf der Magnettafel hängen. Wie das Problem mit dem Menschenknubbel lösen? Die schlauen Mitarbeiter haben ganz einfach die Verstrebung an der Ecke in die Mitte des Standes verschoben. Da standen dann meine Knechte im kurzen Hemd: Wie aufbauen? Wo das Banner hinhängen? Aber die sind ja nicht doof, die bauen das Regal einfach rechts und links von der Verstrebung auf, und das Banner kommt an die Wand links vom Stand. Perfekt!? Ganz so glücklich sind wir aber noch nicht damit, denn die Verstrebung machte doch einiges Rangieren erforderlich. Oder Limbo tanzen. Unter der Querstange gings vom besten Spieltisch der Welt hinter unsere Theke und dann ins Kabuff. Meine Knecht sind schon sportlich, die schaffen das. Mal sehen, wie's nächstes Jahr wird. Auf jeden Fall hing unser Fairplay-Banner besser sichtbar an der Seitenwand als hinter dem Scout-Regal.

Überhaupt Spieltische? Die sind ja irgendwie hipp. Muss ich auch so einen Tisch für meinen Stall anschaffen, bei dem das Spielmaterial unter einer Platte im Kellergeschoss des Tisches verbleiben kann? Die Tische sind so gar nicht wie der Tisch an unserem Stand. Das Konzept ist halt anders und vielleicht taugt so ein Tisch mit abnehmbaren Tischplatten auch zum freien Spielen. Ich denke da an Kinder, die dort ihr Lego oder Playmobil drin aufbauen können, ohne es fürs Essen wieder abbauen zu müssen. Haben die Kleinen heutzutage nicht ein eigenes Zimmer? Haben nicht etliche Spieler ein eigenes Spielzimmer? Wie dem auch sei, ich spiele seit 1987 und schon Jahre vorher an Esstischen. Das geht und wird auch noch weiterhin gehen. Never touch a running system. Und Hauptsache, das Licht von oben ist hell genug.

Unsere Scout-Aktion lief dieses Jahr wieder ganz passabel. Ich finde es ja immer noch erstaunlich, dass besonders Asiaten oft bei uns vorbei schauen. Einer ist uns besonders aufgefallen, weil er beständig um unseren Stand herum- und an die Auswertungen heranschlich. Mit Mundschutz. Angesprochen habe ich ihn leider nicht, aber Dank meines Twitteraccounts @Fairplaymagazin, weiß ich jetzt, dass der Mann Verleger ist und in Essen nach neuen Spielen für seinen Verlag sucht. Da ist er in der Tat bei uns richtig. Und seinen Namen kenne ich auch. Nächstes Jahr wird er mir nicht entkommen. Und mein diesjähriger Fauxpas passiert mir nicht nochmal, dass ich Koreaner für Japaner halte. Unser Mann ist Japaner. Das weiß ich so sicher wie der Shinto im Schrein.

Zwischenzeitlich machten zwei Kickstarter-Kampagnen Schlagzeilen in der Szene, allerdings keine positiven. Da wurde gleich zwei Mal BOHNANZA abgekupfert. Ich nenne mal hier nicht die Titel. Diese Spiele brauchen doch keine Reklame. Eines davon ist tatsächlich über Kickstarter finanziert worden, für das andere Spiel läuft die Kampagne noch. Ob sich Kickstarter damit einen Gefallen tut, so etwas durchlaufen zu lassen. Oder ist das denen so was von egal? Ich drücke jedenfalls unseren Amigos beide Hufe, dass sie das noch unterbinden können.

Nur das kommende Weihnachtsfest ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich freue mich tierisch auf meine volle Futterkrippe. Wenn dann eine hochschwangere Frau samt Mann in meinen Stall kommt, nehme ich sie gerne auf. Ganz im Sinne der Aktion meiner Ex-Knechte. Deshalb machen wir mit bei „Spielend für Toleranz, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Frohes Fest und guten Rutsch

Ihr Harry

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Fairplay 126 - Januar bis März 2019

Essen 2018, Kommentare und Berichte
  • À la carte 2018
  • Scoutkommentar
  • Fairplay Scoutnoten
  • First Food
  • Auflösung Krimsu Gewinnspiel
  • Goodbye Queensdale
Kritiken
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  • 13 Indizien

Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Rückblick Fairplay 47
  • Herzensspiele: K2
  • Kinderportion: Escaperoom, Funkelschatz, Wunschmaschine 2.0
  • Dr. Reiner Isseswar antwortet
  • Nachschlag: Star Realms - Colony Wars, Zug um Zug - New York
  • à la carte: Karate Tomate, Blöde Kuh, Frantic, Gorus Maximus, Bandido, Forest
  • Preisrätsel: Schiebung
  • Wir spielen gern ...
  • Bestenliste
  • Noten

Donnerstag, 25. Oktober 2018

À la carte 2018: Krass Kariert

Den Titel À la Carte 2018 gewinnt KRASS KARIERT.


Unsere Jurorinnen und Juroren haben gewählt und sich für das Erstlingswerk von Katja Stremmel entschieden. Dieses zunächst eher unscheinbare Kartenspiel entpuppt sich schon beim ersten Spiel als erstaunlich trickreich. Ganz wichtig: Die Karten müssen in der Reihenfolge bleiben, wie sie auf die Hand gekommen sind. Da wird nix umgesteckt. Man darf Pärchen, Drillinge oder Straßen nur aus der Hand nehmen, wenn sie bereits nebeneinander stecken. Natürlich kann man das Blatt optimieren, wenn man die einzelne störende zwischen zwei zueinander passenden Karten ausspielt. Und manchmal fühlt man sich krass kariert, wenn man so gar nix machen kann und von den Mitspieler auch noch abgemeiert wird. Da kommen Emotionen ins Spiel.

Dass es dieses Mal sogar ein Kickstarter-Kartenspiel auf die Plätze geschafft hat, ist schon erstaunlich. Kaum zu erhalten, schwer zu beschaffen und trotzdem hoch gelobt. Ob wir The 7th Continent irgendwann mal bei einem hiesigen Verlag und auf Deutsch erwarten dürfen?
  • Katja Stremmel: Krass Kariert bei Amigo
  • Marc André: Majesty bei Hans im Glück
  • Wolfgang Warsch: The Mind bei NSV
  • Kota Nakayama: Hanamikoji bei Kosmos
  • Reiner Knizia: VoodooPrince bei Schmidt-Spiele
  • Robert Dougherty und Darwin Kastle: HeroRealms bei White Wizard Games
  • Mark Major: Texas Showdown bei Amigo
  • Jun Sasaki: Startups bei Oink Games
  • Wolfgang Warsch: Illusion bei NSV
  • Ludovic Roudy und Bruno Sautter: The 7th Continent bei SeriousPoulp
Wir gratulieren allen platzierten AutorInnen und Verlagen und wünschen allen viel Spaß beim Kartenspielen.

#FairplayScoutAktion - Aktuelle Tweets von der #Spiel18

Hier twittern Hold on Harry und Wolfgang Friebe von der Messe und der #FairplayScoutAktion. Natürlich spätestens ab Freitag mit Zwischenergebnissen von der Scoutaktion. Am Sonntag Nachmittag gibt es das Endergebnis.