Donnerstag, 29. März 2018

Editorial 123

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich mir die Essener und Nürnberger Messe so anschaue, weiß ich eigentlich, wohin ich gehöre. Dahin, wo unsere Leserinnen und Leser sind, da wo Sie auf uns treffen. Dahin, wo fertigen Spiele gespielt werden können. Wo einem die Spiele schön, aber längst nicht immer perfekt erklärt werden. In Essen ist immer viel Betrieb, auch wenn die Lautstärke spätestens ab Samstag doch nervt. In Nürnberg sieht es ganz anders aus. Da herrscht angenehme Stille, eine gedämpfte Atmosphäre, dort trägt jeder ein persönliches wichtiges Schildchen um den Hals. Ich erinnere mich noch, als ich mit dem überaus seltenen roten Presseschild durch die Hallen getrabt bin. Gott, was war ich wichtig.

So wichtig, dass es mich kaum gestört hat, dass viele der Spiele längst noch nicht fertig waren. Immerhin, ich durfte mir Handmuster anschauen, bekam exklusive Vorabinfos. Und nur ganz selten wurde wirklich gespielt. Wenn dann bei Hans im Glück. Das, was bei Nürnberg zieht, ist das doch sehr intime Zusammensein von Verlagen und Fachpublikum. So erlebten es meine Knechte in all den Jahren zuvor, nur dieses Jahr eben nicht. Keiner aus der Redaktion konnte oder wollte hinfahren, deshalb stehen wir umso tiefer in der Schuld von Peter Neugebauer, der für diese Ausgabe seinen persönlichen Messebericht beisteuert. Peter, du darfst mal aus meinem Napf fressen.

Ob wir auch nächstes Jahr die Nürnberger Spielwarenmesse schlabbern? Ich glaube, ich muss meinen Knechten mal gehörig ... Oh, ich höre schon deren Gemaule. Nürnberg, was passiert denn noch in Nürnberg?! Die Spielewelt tobt längst in Essen, auch international ist die Hölle los. Und was ist mit Duisburg? Wer fährt von Ihnen nach Duisburg? Also ich nicht, und ich glaube auch keiner meiner Knechte. Der eine, der dort um die Ecke wohnt, ist sowieso schon für die zeitgleiche Veranstaltung in Ratingen gebucht. Da haben wir einen kleinen Stand: Kommen Sie vorbei. Der Duisburgtermin liegt ziemlich blöd am Anfang der NRW-Osterferien. Ich bin da schon auf Urlaub, und mit mir ein paar Neuheiten aus Nürnberg, die bis dahin schon lieferbar sind.

Und überhaupt, sind reine Fachmessen überhaupt noch sinnvoll? Gut, in Nürnberg wird die ganze Bandbreite von Spielwaren gezeigt, der Fachhandel wird dort bedient. Aber wie viel Fachhandel gibt’s denn noch? Ich will das gar nicht groß thematisieren, aber wie viele unabhängige Spielwarengeschäfte kennen Sie, die das Komplettangebot anbieten. Und wenn selbst Riesen wie ToysRUs straucheln, dann weiß ich doch, wo der lokale Fachhandel steht. Mit dem Rücken an der Wand. Die einzigen, die das nicht kratzen muss, sind die kleineren Verlage. Die nutzen die Messe in Essen, präsentieren und verkaufen dort ihre Neuheiten direkt an den Endkunden, können beinahe ganz den Zwischenhandel umgehen.

Oder brummt der Spieleverkauf nur noch auf Kickstarter? Was da alles angeboten und bezahlt wird?! Ich bin schwer beeindruckt, aber auch abgeschreckt. So richtig kann ich das nicht nachvollziehen, denn was mir geboten wird, ist erstmal nur die Katze im Sack. Ich kenne ja noch den Pferdemarkt, damals standen auch irgendwelche Händler mit der famosesten Zitronenpresse aller Zeiten an den Ecken. Die konnten reden, die konnten die Kunden reihenweise belatschern. Machen die heute alle auf Kickstarter?

Trotzdem, Kickstarter boomt. Ist denn der Mark so groß, dass sehr spezielle Spiele von enthusiastischen Verlegern immer Abnehmer finden? Der Handel wird faktisch übergangen. Ich frage mich sowieso, wann der Handel komplett ausgebootet wird. Ein paar Verlage sind so stark in der Szene verankert. Die haben ihre Fans, die brauchen eigentlich keinen Zwischenhandel mehr, vielleicht noch Amazon als Dienstleister für den Versand. Apropos Amazon: Mir ist aufgefallen, dass der Nürnberger Spielkarten Verlag seine Neuheiten anscheinend erst nur über Amazon vertreibt. Weder in meinem örtlichen Spielwarengeschäft noch beim Spielespezialgeschäft waren die zu bekommen. Was ist nun der richtige Weg? In Boomzeiten ist das herzlich egal, aber was wird sich langfristig bewähren? Ich weiß es nicht. Aus Erfahrung weiß ich sicher: Helden kommen, Helden gehen.

Viel Spaß beim Spielen und Frohe Ostern

Ihr Harry

Mittwoch, 21. März 2018

Fairplay 123 - April bis Juni 2018

Reportagen und Berichte
  • Nürnberg 2017 Messebericht
Raus aus dem Raum
  • Neuigkeiten von der Ausbrecherszene
Kritiken
  • Berge des Wahnsinns
  • Big Cityz
  • Rajas of the Ganges
  • Pioneers
  • Nusfjord
  • Queendomino
  • Castles of Caladale
  • Noria
  • Clans of Caledonia
  • Carthago
  • Parley
  • Trans Atlantic
  • Sushi Go Party!
  • Codenames Duett
  • Biosphere
  • Chill & Chili
  • Pulsar 2849
  • The 7th Continent
  • Altiplano
  • Majesty
  • Space Freaks
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Rückblick: Fairplay 43
  • Fast Food: Invisible Ink, Santorini
  • Nachschlag: Die Gefährten des Marco Polo -1. Erweiterung, Hellas & Elysium, Venus Next
  • Kinderportion: Dino World, Karuba Junior
  • Ausschachtungen: Paco Sako
  • Preisrätsel: Drunter und Drüber
  • Erratum: Fish & Ships
  • à la carte: The Mind, Krass Kariert, Druids, Hanamikoji, Festung
  • Wir spielen gern ...
  • Bestenliste
  • Noten

Samstag, 30. Dezember 2017

Editorial 122

Liebe Leserinnen und Leser,

Essen ist gerade vorbei; und jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Nie war die Zeit dazwischen so knapp. Und deshalb ist diese Ausgabe auch spät dran. Vielleicht ist sie sogar erst nach Weihnachten bei Ihnen. Aber wir brauchen den Vorlauf und können zwei fehlende Wochen nicht einfach wegstecken. Mir hat die Messe irgendwie doch gefallen. Ich war ziemlich tiefenentspannt. So groß, so vielfältig, da brauchte ich mich erst gar nicht anzustrengen, alles zu sehen, überall herzulaufen. Ich hab' sogar 'nen richtig protzigen Stand gar nicht erst wahrgenommen. Wo war der noch? In Halle 1? Ach was, das war die komplette Halle 1, und ich bin einfach dran-, durch- und vorbeigelaufen. War das wirklich ein Stand, oder vielleicht waren das auch die Stände all der Verlage, die mittlerweile von Asmodee geschluckt worden sind?

Wir hatten wieder unsere heimische Ecke in der Halle 3, da tobte zeitweilig so dermaßen der Bär, dass ich an einigen Ständen gar nicht erst vorbei kam. Was soll's, denn in gewisser Hinsicht kommt die Messe zu uns. Unsere Scouts schlagen sich durch, auch wenn der Weg aus Halle 8 schon sehr weit war. Da hinten hockten die Exoten und die jungen Hengste. Ich habe den Weg dorthin mal unternommen, dort war es so wie früher in Halle 8. Vor dem Umzug in die neuen großen Hallen war diese bereits die Halle der Newcomer und Exoten. Und ganz früher hatte auch die Death Row dort ihren Platz. Da waren Verlage, die ein einziges Mal und dann nie wieder auftauchten.

Und selbst die Spiele fanden den Weg zu unserem Stand, wenn auch manchmal erst nach Überwindung von Hindernissen. Aber wir nehmen doch jede Hürde. Da lobe ich mir die Pressearbeit der mittelgroßen Verlage. Sehr professionell und sehr freundlich. Mit den Spielen, die es auf unser Scout-Regal schafften, kann ich gut leben. Vor allem, weil es nicht so viele sind. Wer will schon Spielestapel groß wie eine Schrankwand mit nach Hause schleppen. Erstens braucht man dafür einen Kleinlaster, und zweitens muss man Angst haben, dass die eigenen Kinder von gestapelten Spielen erschlagen werden. Im Netz sind tatsächlich eine Menge solcher Beutebilder aufgetaucht. Klar, man ist stolz darauf, was man alles ergattert hat. Unsere Spiele konnte jeder schon während der Messe und auf Twitter sehen … oder zumindest immer die Tabelle mit den Scout-Spielen. Ob wir noch mehr Spiele brauchen? Um übers Jahr zu kommen, bestimmt. Aber für die nächste Zeit sind wir versorgt.

Die schiere Masse an Spielen führt in gewisser Weise auch dazu, dass die Spieletage zerfasern und in viele kleine Messen zerfallen. Das liegt zum einen an den nterschiedlichsten Interessen, aber vor allem an den Nationalitäten. Bin ich doch an einem Abend an einem Stand vorbei gekommen, an dem ein Haufen Leute gemütlich redend zusammen standen. Und was hören meine Ohren: Ausschließlich Französisch. Gut, ich war auf dem Weg zu einem Verlagstreffen, bei dem es Weißwürste gab und nur Deutsch gesprochen wurde. So zerfasert die Messe. Ich habe nicht den leisesten Schimmer, was die Amerikaner so getrieben haben. Oder die Niederländer … Die hatten bestimmt auch ihre eigenen Meetings. Ob da die Organisatoren nicht mal reingrätschen sollten, um irgendwas Sprachübergreifendes auf die Beine zu stellen. Dann wäre die Messe tatsächlich international und nicht nur eine Ansammlung unterschiedlichster Nationalitäten. Wie wärs mal mit Platzkarten für die Tische bei der Verleihung des Deutschen Spielepreises? Einer von uns hat immerhin vorbildlich neben netten, internationalen Österreichern gesessen.

Achja: Auf der Eröffnungspressekonferenz wurde das innoSpiel gekürt. Zur Auswahl standen FABELSAFT, LYNGK und der Gewinner MAGIC MAZE. Tja, wieder nur ein Preis, der das abgelaufene Jahr repräsentiert. Und bei der Jury müssten einige Veränderungen erfolgen. Autoren, Redakteure und Verleger sollten doch nicht über die Werke von anderen Autoren, Redakteuren oder Verlegern entscheiden. Mal sehen, wie das innoSpiel im nächsten Jahr verliehen wird.

Das soll jetzt für dieses Jahr reichen. Bis Nürnberg schiebe ich dann eine ruhige Kugel. Nach der schönen und gelungenen Messe und der ganzen Arbeit mit diesem Heft kann ich mir das mal gönnen. Natürlich werde ich so wie Sie spielen, spielen, spielen...

Also: Falls es noch vor Weihnachten geklappt haben sollte: Frohe Weihnachten.

Und falls nicht: Ein gutes Neues Jahr … Wir sehen uns in alter Frische.

Hold On Harry

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Fairplay 122 - Januar bis März 2018

Reportagen und Berichte
  • Scoutkommentar 2017
  • Fairplay Scoutnoten 2017
  • Bard Game Stats: Suzan and Eerko Vissering
  • À la Carte 2017: Les Poilus
Kritiken
  • Fold it
  • Scythe
  • Kitchen Rush
  • Azul
  • Schüttel’s
  • Istanbul - Das Würfelspiel
  • Safehouse
  • Peak Oil
  • Heaven & Ale
  • Bunny Kingdom
  • Christmas Tree
  • Indian Summer
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • First Food: Lisboa, Clans of Caledonia,Altiplano, Biosphere, Keyper, Rajas of the Ganges,
  • Rob’N’Run, Noria, Calimala, Chill & Chili, Transatlantic, Merlin, Fast Forward: Festung, Majesty, Berge des Wahnsinns, Pioneers, Queendomino, Kimono, Reworld, Samurai Dori - Wings of Bushido, The Cousins’ War, The Great Tour - European Cities
  • Rückblick Fairplay 42
  • Kinderportion: Fish & Ships, Stone Age Junior - Kartenspiel
  •  à la carte: Voodoo Prince, Lanzeloth,Grimwood, Furcht, The Game - Face to Face, Facecards
  • Fast Food: Memoarrr!, Mag-O-Mag, Kipp it, Can’t Stop, Schildkröte & Hase, Inis,Lucky Lachs
  • Ausschachtungen: Katarenga
  • Nachschlag: Colt Express - Marshal & Gefangene, Arler Erde -Tee & Handel
  • Preisrätsel: Drei Autoren suchen LöserInnen
  • Wir spielen gern ...
  • Bestenliste
  • Noten

Freitag, 27. Oktober 2017

A la carte Preis 2017: Les Poilus aka The Grizzled

Unsere Wahlfrauen und -männer haben entschieden:

Den Titel À la Carte 2017 gewinnt Les Poilus.

Das ist in gewisser Hinsicht ein erstaunliches Ergebnis. Erstens ist es ein kooperatives Spiel, zweitens hat es eine sehr düstere Thematik. Es geht um den 1. Weltkrieg, um den Grabenkrieg im Westen, um ständigen Überlebenskampf und ums Scheitern. Das Spiel ist niemals ein Zuckerschlecken, bietet keine Wohlfühlatmosphäre, dafür aber ein immens dichtes Spielerlebnis. Und ist immer aufs Neue eine Herausforderung. Eine Erweiterung ist längst erschienen: Les Poilus: Zu Befehl!

Mittlerweile ist unser Preis sehr international. Die meisten Autoren kommen nicht aus Deutschland. Nur Friese, Kiesling, Kramer und Rosenberg – die altbekannten Recken unter unseren Autoren – sind auf den vorderen Plätzen vertreten. Friedemann Friese sogar zwei Mal.
  • Fabien Riffaud und Juan Rodriguez: Les Poilus bei Sweet Games
  • Friedemann Friese: Fabelsaft bei 2F-Spiele
  • Wolfgang Kramer und Michael Kiesling: Glück Auf! Kartenspiel bei eggertspiele
  • Friedemann Friese: Futschikato bei 2F-Spiele
  • Yusuke Sato: Tempel des Schreckens bei Schmidt
  • Jacques Zeimet: Dodelido bei Drei Magier
  • Uwe Rosenberg: Bohnanza - Das Duell bei Amigo
  • Connor Reid: 5-Minute Dungeon bei Kosmos
  • Emerson Matsuuchi: Century: Die Gewürzstraße bei Abacusspiele
  • John D. Clair: Mystic Vale bei Pegasus
Wir gratulieren allen platzierten Autoren und Verlagen und wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, viel Spaß beim Kartenspielen!