Montag, 24. Dezember 2018

Editorial 126

Liebe Leserinnen und Leser,

Ich hab erst gar nicht versucht, alles abzulaufen. Geht ja eigentlich auch längst schon nicht mehr. Die Internationalen Spieletage wachsen und wachsen, die Wege werden länger und länger und gleichzeitig die Gänge voller und voller. Besonders voll war's aber wirklich in der Galeria, da bin nicht nur ich öfter ganz langsam voran gekommen. Dichtestes Gedränge. Ich sage nur: Die Gänge müssen breiter, besonders in der Galeria. Aber das wird Dominique Metzler sicherlich schon überlegen. Sie lief mit ihrem Team über die Messe und hielt nach solchen Engpässen Aussschau. Und ab und an sogar an unserem Stand. Da war dann sogar hinter unserer Theke Gedränge.

Der Engpass bei uns am Stand ist der Messe auch aufgefallen. Es stehen doch immer eine Menge Menschen vor unseren kleinen Scoutzettel, die an der Ecke zum Längsgang auf der Magnettafel hängen. Wie das Problem mit dem Menschenknubbel lösen? Die schlauen Mitarbeiter haben ganz einfach die Verstrebung an der Ecke in die Mitte des Standes verschoben. Da standen dann meine Knechte im kurzen Hemd: Wie aufbauen? Wo das Banner hinhängen? Aber die sind ja nicht doof, die bauen das Regal einfach rechts und links von der Verstrebung auf, und das Banner kommt an die Wand links vom Stand. Perfekt!? Ganz so glücklich sind wir aber noch nicht damit, denn die Verstrebung machte doch einiges Rangieren erforderlich. Oder Limbo tanzen. Unter der Querstange gings vom besten Spieltisch der Welt hinter unsere Theke und dann ins Kabuff. Meine Knecht sind schon sportlich, die schaffen das. Mal sehen, wie's nächstes Jahr wird. Auf jeden Fall hing unser Fairplay-Banner besser sichtbar an der Seitenwand als hinter dem Scout-Regal.

Überhaupt Spieltische? Die sind ja irgendwie hipp. Muss ich auch so einen Tisch für meinen Stall anschaffen, bei dem das Spielmaterial unter einer Platte im Kellergeschoss des Tisches verbleiben kann? Die Tische sind so gar nicht wie der Tisch an unserem Stand. Das Konzept ist halt anders und vielleicht taugt so ein Tisch mit abnehmbaren Tischplatten auch zum freien Spielen. Ich denke da an Kinder, die dort ihr Lego oder Playmobil drin aufbauen können, ohne es fürs Essen wieder abbauen zu müssen. Haben die Kleinen heutzutage nicht ein eigenes Zimmer? Haben nicht etliche Spieler ein eigenes Spielzimmer? Wie dem auch sei, ich spiele seit 1987 und schon Jahre vorher an Esstischen. Das geht und wird auch noch weiterhin gehen. Never touch a running system. Und Hauptsache, das Licht von oben ist hell genug.

Unsere Scout-Aktion lief dieses Jahr wieder ganz passabel. Ich finde es ja immer noch erstaunlich, dass besonders Asiaten oft bei uns vorbei schauen. Einer ist uns besonders aufgefallen, weil er beständig um unseren Stand herum- und an die Auswertungen heranschlich. Mit Mundschutz. Angesprochen habe ich ihn leider nicht, aber Dank meines Twitteraccounts @Fairplaymagazin, weiß ich jetzt, dass der Mann Verleger ist und in Essen nach neuen Spielen für seinen Verlag sucht. Da ist er in der Tat bei uns richtig. Und seinen Namen kenne ich auch. Nächstes Jahr wird er mir nicht entkommen. Und mein diesjähriger Fauxpas passiert mir nicht nochmal, dass ich Koreaner für Japaner halte. Unser Mann ist Japaner. Das weiß ich so sicher wie der Shinto im Schrein.

Zwischenzeitlich machten zwei Kickstarter-Kampagnen Schlagzeilen in der Szene, allerdings keine positiven. Da wurde gleich zwei Mal BOHNANZA abgekupfert. Ich nenne mal hier nicht die Titel. Diese Spiele brauchen doch keine Reklame. Eines davon ist tatsächlich über Kickstarter finanziert worden, für das andere Spiel läuft die Kampagne noch. Ob sich Kickstarter damit einen Gefallen tut, so etwas durchlaufen zu lassen. Oder ist das denen so was von egal? Ich drücke jedenfalls unseren Amigos beide Hufe, dass sie das noch unterbinden können.

Nur das kommende Weihnachtsfest ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich freue mich tierisch auf meine volle Futterkrippe. Wenn dann eine hochschwangere Frau samt Mann in meinen Stall kommt, nehme ich sie gerne auf. Ganz im Sinne der Aktion meiner Ex-Knechte. Deshalb machen wir mit bei „Spielend für Toleranz, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Frohes Fest und guten Rutsch

Ihr Harry

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