Freitag, 12. April 2019

Editorial 127


Liebe Leserinnen und Leser,

wie konnte das nur passieren!? Wir haben einen Abonnenten verloren. Einmal Fairplayer, immer Fairplayer, so geht das doch. Aber der Mann kam in Essen an den Stand und hat sich bitter beklagt, dass, wenn keine schönen Verrisse mehr folgen, er kündigen werde. Tja, eigentlich eine sichere Bank für uns, dem Mann ist zu helfen. Zumal er auch noch Autor ist und einige seiner Spiele bei uns schon Verrisse kassiert haben, worauf er sogar ausdrücklich hingewiesen hat. Macht ja nicht nur gute Spiele, der Mann. Ich hätte ja nicht übel Lust gehabt, eines seiner aktuellen Spiele zu verreißen. Aber was soll ich machen? Erstens schreibe ich nicht und zweitens gibt es genügend gute empfehlenswerte Spiele. Da müssen wir uns doch nicht mehr um den Ausschuss kümmern. Jedes Spiel ist heute aus verschiedensten Gründen – und sei es nur ein Haufen Miniaturen – spielenswert. Es geht da doch nur noch um Nuancen, um Geschmack, aber nur noch in seltensten Fällen um dicke handwerkliche Fehler in der Spielmechanik. Haben sich Verrisse überlebt?

Montag, 8. April 2019

Harry sucht die Spieletage

Essen ist nicht allein da draußen.
Auch andere Städte haben schöne Events!

 

Spielen ist hip. Ganz sicher. Jedes Jahr gibt es einen neuen Besucherrekord bei den Internationalen Spieletagen. Und die Spieletage in Essen sind es nicht allein. Ob die großen Münchner Spielwiesn oder der kleine Spieletag in Hannover. Ich habe das Gefühl, dass mir immer mehr Chancen geboten werden, öffentlich meinem Hobby zu frönen.

Aber einen richtigen Überblick, wo ich hinfahren könnte, hatte ich bislang nicht. Und im Netz fand ich auch keine Seite, die mir auf Anhieb alle Spieletage der Republik auf dem Silbertablett serviert hätte. Muss man halt alles selber machen.

Also los. Google und DuckDuckGo spuckten ein paar Ergebnisse aus, aber eine Recherche in der Twittercommunity förderte noch einmal das doppelte an Veranstaltungen zu Tage. Alles schön in eine Excel-Tabelle sortiert und eine Karte im Layoutprogram erstellt. Und weil Print heute nicht mehr reicht, auch nochmal dieselbe Arbeit in eine digitale Karte investiert. Ich hoffe, dass sich das lohnen wird. Die Marker dort sind positionsgenau und verlinken auch zu den Veranstalter*Innen.

http://fairplay.luniki.de/index.html
Lokal ist bekanntlich Trumpf. Eine Veranstaltung, die ich gerne mit meiner Familie besuche, ist die Playstation im nahen Drensteinfurt. Warum es sowas nicht im großen Münster gibt, ist eine andere Frage. Naja. Das kleine Drensteinfurt hat jedenfalls seit 15 Jahren eine zweitägige Veranstaltung, bei der in fast allen Räumen des Kulturbahnhofs zahlreiche Spiele gespielt werden möchten.

Im Themenraum geht es diesen Jahr mit TIKAL, RUMIS und MENARA in den Dschungel. Und im Nachbarraum werden bei CIRCUS MEEPLE die Kamele und Artisten in die Luft gehievt. Auch sonst gibt es auf der Playstation viele neue und alte Spiele zu entdecken. Eine Cafeteria mit Kuchen ist auch vorhanden. Dafür gibts von mir 5 Sterne. 

Ein weiteres Highlight im Spielejahr ist auch die Aktion Stadt-Land-Spielt!, die in Deutschland und Österreich von etwa 150 Büchereien, Spieletreffs und weitern Veranstaltern getragen wird. Dieses Jahr am 7. und 8.9.2019. In unsere Karte kamen die Veranstaltungen allerdings nicht. Stadt-Land-Spiel! hat mit www.stadt-land-spielt.de eine eigene Webseite inklusive Karte zu den einzelnen Spielorten.

Wenn Sie noch weitere bemerkenswerte Spieletage und Conventions kennen oder der Fehlerteufel zugeschlagen hat, schreiben Sie uns gerne. 
Bei Twitter @FairplayMagazin und per Mail an: spieletage@fairplay-online.de
Wer sich für die Kartentechnik interessiert darf sich ebenfalls gerne melden. (bb)

Dienstag, 2. April 2019

Spielend für Toleranz im Münster

Am 9.4. also nächsten Dienstag, geht es in Münster los.
Der erste Spielend für Toleranz - Spieleabend.
Wir starten um 18:00 Uhr. Gespielt wird in den Räumen der Katholischen Hochschule in Münster. 
Die Spiele wurden vom Verein Spiel des Jahres e.V. gespendet. Sie kommen mit wenig Sprache und Erklärungen auskommen. Mit dabei sind Klask, King Domino, Azul und Looping Louie.
Wir können also Spielspaß für alle zwischen 4 und 99 garantieren.

Hier ein Link zu OpenStreetMap:

Eingang Goldstraße
https://osm.org/go/0GN86SlL8?layers=N
Eingang Piusallee
https://osm.org/go/0GN86Yc_1?layers=N

Ihr dürft die Plakate gerne herunterladen, ausdrucken und verteilen.

Bis Dienstag.


Mittwoch, 27. März 2019

Fairplay 127 - April bis Juni 2019

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Donnerstag, 3. Januar 2019

Blöde Kuh - aus der FP126

Bei BLÖDE KUH ist der Titel schon spaßig. Einerseits erinnert er an das Kinderspiel BLINDE KUH (hat damit aber nichts zu tun), glänzt dann auch noch durch eine wirklich blöde Kuh auf dem Cover und hat einen kinderleichten Rhythmus, der immer und immer wieder Freude generiert, weil mehrere Schwarze-Peter die Runde machen.

Im Stapel mit 72 Karten befinden sich gleichmäßig verteilt dumme Schafe, nichtsahnende Schweine, überrascht dreinblickende Pferde und halt eben blöde Kühe. Diese Karten haben keinen Wert, so dass es letztendlich nur vier verschiedene Kartenarten gibt. Neun hält jeder zu Beginn auf der Hand und Ziel ist es, seine Kartenhand leer zu spielen und die noch ins Spiel kommenden Störkarten möglichst zu meiden.

Die Zugoptionen sind einfach. Entweder wird eine Einzelkarte gespielt: Das Schaf hat keine Funktion, das Schwein zwingt den nächsten eine Karte zu ziehen, das Pferd lässt eine Einzelkarte zum Nachbarn wandern und bei der blöden Kuh muss man selber eine Karte nachziehen. Pfeffer und Spaß kommt ins Spiel, wenn ein Pärchen gelegt wird. Jetzt wird eine Sonderkarte dieses Tiers vor den linken Nachbarn gelegt. Diese hat einen Minuswert aufgedruckt und man möchte sie loswerden und auf keinen Fall am Ende halten. Deshalb ist fast jeder geneigt, sie sofort weiterzureichen, indem ebenfalls ein Pärchen dieses Tiers gespielt wird. Da es nur vier verschiedene Tierkarten gibt, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass man sogleich selber dieses Kuckucksei weiterreicht. Man möge aber nicht überrascht sein, wenn dies Schand-Karte sogleich eine ganz Runde durchläuft und wieder beim Ursprungsbesitzer landet. Das ist dann wirklich richtig lustig und wird am Tisch durch Lachen quittiert. Wer etwas klug ist, schickt „seinen“ Schwarzen Peter gar nicht weiter sondern lässt das andere Spieler erledigen, die früher oder später dann doch noch einen Zwilling dieser Art legen. Nur dumm, dass zu jeder der vier Tierarten so eine „Will-keiner-haben“-Karte im Umlauf ist. Wenn jemand mehrere dieser Karten vor sich hat, muss er davon ausgehen, dass irgendetwas dann leider doch hängen bleibt.

Damit nicht genug. Es gibt noch ein zweites Dilemma: Wenn ein Spieler seine Kartenhand leer gespielt hat, bekommt der Spieler mit den meisten verbliebenen Handkarten satte Minuszähler und auch der Zweitschlechteste muss noch Strafpunkte akzeptieren. Deshalb ist eigentlich jeder geneigt, Pärchen zu spielen (reduziert die Kartenhand schneller) als Einzelkarten zu legen (generiert eventuell Minuspunkte bei Spielende). Aber aus spieltaktischen Gründen ist das Legen von Einzelkarten durchaus angesagt, wenn man nämlich eine Strafkarte ins eigene Revier (oder bedrohlich nahe heran) holen würde. Und es gibt noch einen schönen Effekt, der für Verblüffung sorgt (gerade bei Neulingen). Wer als letzte Karte eine blöde Kuh spielt, glaubt, das Rundenende herbeigeführt zu haben. Falsch, denn er muss selber eine Strafkarte ziehen und bleibt noch im Geschehen. Das ist schon lustig. Überwiegend glücksbetont ist dieses Kartenlegen aber keinesfalls. Da es ja nur vier verschiedene Kartenarten (Tiere) gibt, hat jeder eine vergleichbare Kartenverteilung auf der Hand. Aus und mit dieser gilt es, das Beste herauszuholen. Da muss jeder bei seinem Zug neu Entscheidungen treffen. Einen vorbestimmten Spielrhythmus gibt es nicht.
Insgesamt drei Durchgänge werden gespielt. Die Minuspunkte für die einzelnen Stör-Tiere steigern sich von Runde zu Runde, so dass sich am Ende noch etwas verschieben kann. Alle Minuszähler werden mit entsprechenden Karten gesammelt – aufschreiben braucht man nichts. Das Spiel hat schöne neue Momente (Pärchen statt Einzelkarten zu spielen, Reduzierung auf lediglich vier verschiedene Kartenbilder ohne Werte!), ist schnell gelernt und sollte genau so schnell gespielt werden (bitte nicht grübeln, lieber intuitiv Karten legen). Florian Racky ist als Autor ja kein Unbekannter mehr und der Neuling Florian Biege hat einfühlsam illustriert. Ich wage zu behaupten, dass sich die Drei Hasen in der Abendsonne ein Spiel mit Potential zum Klassier an Land gezogen haben.

(pen)

BLÖDE KUH von Florian Racky, Illustrationen von Florian Biege, Drei Hasen in der Abendsonne, 3-6 Spieler ab 8 Jahren, Dauer ca. 20 Minuten