Mittwoch, 17. Juli 2019

Blöde Kuh - aus der FP126

Bei BLÖDE KUH ist der Titel schon spaßig. Einerseits erinnert er an das Kinderspiel BLINDE KUH (hat damit aber nichts zu tun), glänzt dann auch noch durch eine wirklich blöde Kuh auf dem Cover und hat einen kinderleichten Rhythmus, der immer und immer wieder Freude generiert, weil mehrere Schwarze-Peter die Runde machen.

Im Stapel mit 72 Karten befinden sich gleichmäßig verteilt dumme Schafe, nichtsahnende Schweine, überrascht dreinblickende Pferde und halt eben blöde Kühe. Diese Karten haben keinen Wert, so dass es letztendlich nur vier verschiedene Kartenarten gibt. Neun hält jeder zu Beginn auf der Hand und Ziel ist es, seine Kartenhand leer zu spielen und die noch ins Spiel kommenden Störkarten möglichst zu meiden.

Die Zugoptionen sind einfach. Entweder wird eine Einzelkarte gespielt: Das Schaf hat keine Funktion, das Schwein zwingt den nächsten eine Karte zu ziehen, das Pferd lässt eine Einzelkarte zum Nachbarn wandern und bei der blöden Kuh muss man selber eine Karte nachziehen. Pfeffer und Spaß kommt ins Spiel, wenn ein Pärchen gelegt wird. Jetzt wird eine Sonderkarte dieses Tiers vor den linken Nachbarn gelegt. Diese hat einen Minuswert aufgedruckt und man möchte sie loswerden und auf keinen Fall am Ende halten. Deshalb ist fast jeder geneigt, sie sofort weiterzureichen, indem ebenfalls ein Pärchen dieses Tiers gespielt wird. Da es nur vier verschiedene Tierkarten gibt, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass man sogleich selber dieses Kuckucksei weiterreicht. Man möge aber nicht überrascht sein, wenn dies Schand-Karte sogleich eine ganz Runde durchläuft und wieder beim Ursprungsbesitzer landet. Das ist dann wirklich richtig lustig und wird am Tisch durch Lachen quittiert. Wer etwas klug ist, schickt „seinen“ Schwarzen Peter gar nicht weiter sondern lässt das andere Spieler erledigen, die früher oder später dann doch noch einen Zwilling dieser Art legen. Nur dumm, dass zu jeder der vier Tierarten so eine „Will-keiner-haben“-Karte im Umlauf ist. Wenn jemand mehrere dieser Karten vor sich hat, muss er davon ausgehen, dass irgendetwas dann leider doch hängen bleibt.

Damit nicht genug. Es gibt noch ein zweites Dilemma: Wenn ein Spieler seine Kartenhand leer gespielt hat, bekommt der Spieler mit den meisten verbliebenen Handkarten satte Minuszähler und auch der Zweitschlechteste muss noch Strafpunkte akzeptieren. Deshalb ist eigentlich jeder geneigt, Pärchen zu spielen (reduziert die Kartenhand schneller) als Einzelkarten zu legen (generiert eventuell Minuspunkte bei Spielende). Aber aus spieltaktischen Gründen ist das Legen von Einzelkarten durchaus angesagt, wenn man nämlich eine Strafkarte ins eigene Revier (oder bedrohlich nahe heran) holen würde. Und es gibt noch einen schönen Effekt, der für Verblüffung sorgt (gerade bei Neulingen). Wer als letzte Karte eine blöde Kuh spielt, glaubt, das Rundenende herbeigeführt zu haben. Falsch, denn er muss selber eine Strafkarte ziehen und bleibt noch im Geschehen. Das ist schon lustig. Überwiegend glücksbetont ist dieses Kartenlegen aber keinesfalls. Da es ja nur vier verschiedene Kartenarten (Tiere) gibt, hat jeder eine vergleichbare Kartenverteilung auf der Hand. Aus und mit dieser gilt es, das Beste herauszuholen. Da muss jeder bei seinem Zug neu Entscheidungen treffen. Einen vorbestimmten Spielrhythmus gibt es nicht.
Insgesamt drei Durchgänge werden gespielt. Die Minuspunkte für die einzelnen Stör-Tiere steigern sich von Runde zu Runde, so dass sich am Ende noch etwas verschieben kann. Alle Minuszähler werden mit entsprechenden Karten gesammelt – aufschreiben braucht man nichts. Das Spiel hat schöne neue Momente (Pärchen statt Einzelkarten zu spielen, Reduzierung auf lediglich vier verschiedene Kartenbilder ohne Werte!), ist schnell gelernt und sollte genau so schnell gespielt werden (bitte nicht grübeln, lieber intuitiv Karten legen). Florian Racky ist als Autor ja kein Unbekannter mehr und der Neuling Florian Biege hat einfühlsam illustriert. Ich wage zu behaupten, dass sich die Drei Hasen in der Abendsonne ein Spiel mit Potential zum Klassier an Land gezogen haben.

(pen)

BLÖDE KUH von Florian Racky, Illustrationen von Florian Biege, Drei Hasen in der Abendsonne, 3-6 Spieler ab 8 Jahren, Dauer ca. 20 Minuten





Montag, 15. Juli 2019

Editorial 128

Liebe Leserinnen und Leser,

auf wie vielen Wellen haben Sie schon gesurft? Also jetzt nicht mit Surf- oder Bodyboard, das kann eh' nicht jeder. Ich steh' auf dem Surfbrett auch verdammt unsicher. Ist einfach zu schmal für meine vier Hufe. Aber ich habe fast jede Spielewelle abgesurft. Und das waren schon eine Menge, einige habe ich allerdings gekonnt ausgelassen. Damals zum Beispiel, als sich alle an Wittigschen Kunstwerken aus der Edition Perlhuhn labten. Da stand für uns bereits fest: Spiele in der Rolle spielen keine Rolle.

Ich weiß gar nicht, ob wir jemals ganz vorne auf der Welle gesurft sind. Vielleicht mal mit Richard Breese und der Key-Serie. Und mit Martin Wallace und seinem Warfrog-Verlag. Die haben wir ganz
schön abgefeiert. Oder auch Reiner Knizia. Von ihm hatten wir sogar mal ein Spiel im Heft. So eine Art Broschüre mit Wahlkampfthema mit neuen Bundesländern. Aber sonst?!

Mittwoch, 3. Juli 2019

Fairplay 128 - Juli bis September 2019

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